Verliebt in den besten Freund: Wenn die Freundschaft in Versuchung gerät

verliebt in den besten Freund„Männer und Frauen können nie Freunde sein, der Sex steht immer zwischen ihnen.“ Wer kennt nicht diesen Satz von Harry, einem der beiden Hauptprotagonisten aus der berühmten Hollywood-Liebeskomödie „Harry und Sally“, die in den 80er Jahren unsere Lachmuskeln strapaziert hat. Und uns im Anschluss dazu animiert hat, im Freundes- oder Kollegenkreis zu diskutieren: Können Männer und Frauen überhaupt befreundet sein? Eine Frage, die vielleicht nie ganz abschließend beantwortet werden kann – hängt doch dabei so viel von individuellen Faktoren ab. Aber was passiert, wenn der „Ernstfall“ tatsächlich eintritt – wenn sich in die Freundschaft ganz leise die Liebe einschleicht? Was können Sie tun, wenn Sie sich unerwartet und urplötzlich in Ihren besten Freund verliebt haben?

Verliebt in den besten Freund: Das Geheimnis der Freundschaft

Sich in den besten Freund zu verlieben, setzt zuallererst voraus, mit ihm eine Freundschaft zu pflegen. Aber wie entsteht eigentlich dieses Gefühl der Freundschaft – erst einmal unabhängig vom Geschlecht Mann und Frau? Der Psychologieprofessor Mitja Back von der Universität Mainz zweifelt an dem Spruch „Gleich und gleich gesellt sich gern.“

Nach seinen Erkenntnissen spielt es für die Freundschaft keine Rolle, ob uns jemand wirklich ähnlich ist – es reicht, wenn wir ihn als ähnlich wahrnehmen: Ähnlich gewissenhaft, offen, extrovertiert, verträglich oder ängstlich. Darüber hinaus spielt die Berechnung auch eine wichtige Rolle bei der Anbahnung der Freundschaft – und mit ihr die Fragen: „Wie gut kann mich diese Person trösten? Wie gut kann ich mich mit ihr amüsieren?  Wie gut kann sie mir im Alltag helfen?“ Laut Mitja Back sind Freundschaften einfach ein Mittel, um uns gegenseitig in schwierigen Situationen zu helfen.

Freundschaft zwischen Mann und Frau: Der Kumpel mit der Kumpeline

Freundschaft zwischen Frau und MannBis vor etwa 100 Jahren war die Freundschaft zwischen Männern und Frauen ein unbekanntes Phänomen – vor allem aus dem Grund, weil beide Geschlechter ihren Lebensalltag getrennt verbracht haben: Mädchen und Jungs in getrennten Schulen, später in unterschiedlichen Berufen, in der Freizeit an unterschiedlichen Plätzen (Frauen mehr im Haushalt und mit Freundinnen, Männer im Beruf, Job und Kneipen). Gemischte Freundschaften galten als anrüchig und waren höchstens denen vorbehalten, die in besonders liberal denkenden Gesellschaftskreisen wie in der Künstlerszene verkehrten. Heute überschneiden sich mittlerweile die Lebenswelten von Männern und Frauen, sodass es automatisch zu mehr Begegnungen kommt – womit auch mehr Chancen entstehen, Sympathien zu entwickeln, platonische Freundschaften entstehen zu lassen. Aber sind diese platonischen Freundschaften auch immer so platonisch, wie man vorgibt? Schwebt nicht über ihnen immer ein Stück sexueller Anziehung?

Der Evolutionspsychologe Lars Penke von der University of Edinburgh ist der Meinung: „Aus evolutionärer Perspektive ist jede halbwegs gleichaltrige Person des anderen Geschlechts ein potenzieller Fortpflanzungspartner.“ Die amerikanische Kommunikationsforscherin Heidi Reeder hat mittels ihrer Umfragen herausgefunden: 28 Prozent der Befragten fanden ihren engen Freund oder ihre enge Freundin körperlich anziehend, 14 Prozent sehnten sich sogar insgeheim nach einer Liebesbeziehung, 39 Prozent hatten zumindest früher romantische Absichten gehabt. Eine weitere Studie zeigt: Ein Viertel der Singlemänner hegen für ihre beste Freundin mehr als rein freundschaftliche Gefühle – und elf Prozent der Singlefrauen geht es mit ihrem besten Freund genauso. Allerdings gibt es hierbei einen interessanten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Viele Männer finden ihre platonische Freundin attraktiv; Frauen hingegen bezeichnen ihren platonischen Freund nur selten als gutaussehend und scheinen offensichtlich deutlich zu unterscheiden – zwischen einem potentiellen Partner und einem platonischen Freund. Der Psychologe Volker Drewes erklärt: Dies deckt sich mit der biologisch-evolutionären These, dass Männer wahlloser nach Partnerinnen suchen und Frauen gezielter den Richtigen.“

Und dann hat es doch Zoom gemacht

beziehung mit bestem freund„Tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert“, singt Klaus Lange in seinem berühmten Lied, und vielleicht ist es Ihnen jetzt auch so ergangen: Den Freund, mit dem Sie Nächte durchtanzt haben, mit dem Sie durch dick und dünn gegangen sind, dem Sie nach gescheiterten Beziehungen nächtelang die Hand gehalten haben, und der Sie nach Ihren Liebesdramen getröstet hat, sehen Sie plötzlich in einem anderen Licht: Aufregender. Attraktiver. Männlicher. Und haben plötzlich festgestellt, dass Sie für ihn mehr als nur Freundschaft empfinden.

Laut Lars Penke ist eine plötzliche Verliebtheit nach vielen Jahren Freundschaft zwar eher selten – denn bei Freunden, die sich in- und auswendig kennen, ist die Gefahr gering, dass das Verhältnis noch ein erotisches Niveau erreicht. Schließlich verhält es sich in der Freundschaft ähnlich wie in Liebesbeziehungen – das anfängliche Prickeln und die Neugier weichen der Vertrautheit, aber auch der Gewohnheit.

Dass sich in die Freundschaft dennoch Liebesgefühle hineinschleichen, ist auf der anderen Seite nicht ausgeschlossen – schließlich entsteht Verliebtheit auch aus der Nähe zwischen zwei Menschen, die in der Freundschaft doch so viel miteinander teilen: Freud und Leid, Erfolge und Misserfolge, gute und schlechte Zeiten. Wenn dies dann geschieht, war die Freundschaft möglicherweise von Ihrer Seite aus von Anfang an auf Liebe vorprogrammiert. Die Liebe entstand nicht, nach der Meinung des Psychologen Eric Hegmann, auf den ersten Blick, sondern auf dem wachstumsorientierten Weg: Von der Sympathie über Zuneigung und Freundschaft bis hin zur Liebe.

Verliebt in den besten Freund – was tun?

Zeit verbringen mit dem besten FreundWenn Sie also plötzlich feststellen, dass sich für Sie die Freundschaft zur Liebe entwickelt hat, werden sicherlich gleichzeitig Zweifel aufkommen – und mit ihnen die zwangsläufigen Fragen: Erwidert er Ihre Gefühle? Sollen Sie ihm Ihre Liebe gestehen? Diese Zweifel sind sicherlich begründet: Denn wenn man sich in einen Freund verliebt, droht die Gefahr, doppelt zu verlieren, wenn die Gefühle nicht auf Gegenseitigkeit basieren: einen Menschen als potentiellen Partner, aber auch einen Freund, dem man gerne sein Herz ausschüttet.

Mit folgenden Strategien können Sie sich in der Gefühlszwickmühle behelfen:

  • Der Lebensphase-Check. Der Psychologe Wolfgang Bergmann aus Hannover rät, sich zunächst über seine Gefühle klar zu werden und nichts zu überstürzen. Ist es wirklich Liebe, die man empfindet, oder steckt etwas Anderes dahinter? Denn besonders in Phasen, in denen man eine schwere Zeit durchmacht – wegen einer unschönen Trennung, familiären Problemen, Schwierigkeiten im Beruf – sucht man nach einem Anker im Leben. Und diesen findet man oft im besten Freund. Denn der beste Freund strahlt Ruhe aus, vermittelt Verständnis und Geborgenheit – diese Empfindungen können leicht mit Liebe verwechselt werden. Also Hand aufs Herz: Ist es Liebe – oder nur eine Phase?

 

  • Der Verliebtheits-Check: Entsprechen Ihre Gefühle tatsächlich der Verliebtheit und der Liebe? Wenn ja, treffen die meisten folgenden Punkte auf Sie zu:

 

      • Sie hatten noch nie Hemmungen gegenüber Ihrem Freund, konnten ihm alles erzählen. Seit Kurzem merken Sie aber, dass Sie in seiner Nähe schüchtern und unsicher sind.

 

      • Normalerweise treffen Sie sich gemeinsam mit Freunden – in letzter Zeit haben Sie das Bedürfnis, mit ihm allein zu sein.

 

      • Neuerdings geben Sie sich mit Ihren Outfits mehr Mühe, bevor Sie ihn treffen.

 

      • Bei der Begrüßung auf die Wange ertappen Sie sich, dass Sie diese besonders genießen.

 

      • Wenn Sie Ihren Freund ansehen, denken Sie jetzt öfter, dass er ziemlich attraktiv ist.

 

      • Werden Sie unterwegs für ein Paar gehalten, freuen Sie sich darüber, statt über dieses Missverständnis verwundert zu sein.

 

      • Wenn er von anderen Frauen oder Kolleginnen schwärmt, fühlen Sie einen Stich im Herz – die Eifersucht.

 

      • Sie haben sich schon mal ausgemalt, wie es wäre, mit ihm zusammen zu wohnen, oder wie Ihre gemeinsamen Kinder aussehen könnten.

 

  • Der Status-Check: Wenn Ihr bester Freund in festen Händen ist, zeigen Sie sich besser als wahre beste Freundin: Versuchen Sie nicht, die Beziehung der Beiden zu unterminieren. Denn Ihr bester Freund wird nicht mehr für Sie empfinden, wenn Sie zu falschen Mitteln greifen – sondern eventuell sogar weniger. Sind Sie umgekehrt in einer festen Beziehung und haben sich in Ihren besten Freund verliebt, sollten Sie in sich gehen und die Gefühle zu Ihrem Partner überprüfen. Funktioniert Ihre Beziehung immer noch gut? Oder wie konnte es sonst passieren, dass Sie Gefühle für einen anderen Mann entwickelt haben?

 

  • Ehrliche Aussprache: Wenn Ihre Gefühle für Ihren Freund tatsächlich sehr stark sind, suchen Sie mit ihm eine Aussprache. Denn eine ungeklärte Beziehung bringt Ihnen Beiden mehr Leid als Freude: Sie müssen zusehen, wenn er Ihnen seine neue Freundin vorstellt, er versteht Ihre seltsamen Verhaltensweisen in der letzten Zeit nicht und zweifelt vielleicht an Ihren Qualitäten als Freundin.

 

Erst nach einer ehrlichen Aussprache wissen Sie mehr. Erst dann wissen Sie, woran Sie sind und können handeln. Für diesen Fall hält das Leben zwei mögliche Szenarien für Sie bereit: Ihr Freund erwidert Ihre Gefühle – oder er erwidert Sie eben nicht. Im ersten Fall können Sie sich freuen, da Ihre Beziehung beste Chancen auf ein Happy End hat. Schließlich scheitern die meisten Liebesbeziehungen nicht an zu wenig Liebe, sondern an zu wenig Freundschaft. Diese Hürde haben Sie bereits geschickt umgangen – indem Sie Beide sich schon mal in Freundschaft geübt haben.

Im zweiten Fall allerdings, wenn Ihre Schmetterlinge im Bauch den falschen Weg eingeschlagen haben, und Ihr bester Freund Ihre Gefühle nicht erwidern kann, könnte es erst einmal für Sie schmerzlich werden. Denn niemand erlebt gerne eine Zurückweisung – und erst recht nicht von einem Menschen, dem man sehr nah steht. Dann kann nur ein Abstand zwischen Ihnen erst einmal sehr heilsam sein, um die entstandene Wunde nicht permanent aufzureißen. Und wer weiß – vielleicht heilt sie schneller als gedacht, und Sie können sich nach einiger Auszeit wieder wie gute Freunde begegnen.

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Helena Weiß

Über Helena Weiß

Helena Weiß ist Personalreferentin und freiberufliche Texterin. Sie war viele Jahre in diversen Werbeagenturen als Werbetexterin tätig, studierte Wirtschaftspsychologie und schreibt gerne über Themen aus dem Bereich Paarpsychologie.

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