Torschlusspanik: Warum sie aufkommt und wie wir damit umgehen

Torschlusspanik verstehenErst hatte das Studium Priorität, dann die Karriere. Das Leben war unbeschwert, voller Partys, ausgefallener Hobbies, Reisen in exotische Länder.

Und plötzlich ist alles anders – zumindest bei den Anderen aus dem Freundeskreis. Sie scheinen an ihrer Uhr gedreht zu haben und beschäftigen sich nun mit Hochzeit, Familiengründung und Hausbau.

Und was bleibt einem selbst? Partys, zu denen keiner mehr mitgeht. Kneipentouren, die um 22 Uhr enden. Und ein komisches Gefühl im Bauch, dass man irgendwie zu spät ist: Die Torschlusspanik.

Die schwarzen Schafe der Gesellschaft

Torschlusspanik bei MännernSind Sie über 30 und immer noch nicht in festen Händen? Dann befinden Sie sich eigentlich in guter Gesellschaft: Denn vier Millionen junge Männer und Frauen zwischen 20 und 35 Jahren leben heute allein. Das ist umgerechnet fast jeder vierte. So tröstend diese Zahlen auch belegen mögen, dass man nicht allein ist – sie schützen vor der Torschlusspanik dennoch nicht: der Angst, dass man es verpasst hat, den richtigen Partner zu finden. Familie zu gründen. Ein Haus im Grünen zu bauen.

Stattdessen – wie die Redewendung schon andeutet – vor dem verschlossenen Tor des Lebens zu stehen. Wobei die berühmte Redewendung „Torschlusspanik“ eigentlich ihrem Ursprung nach nichts mit Single-Dasein und Alter zu tun hat. Sie geht auf das Mittelalter zurück, als Städte noch von dicken Mauern zum Schutz der Einwohner umgeben waren. Bei Einbruch der Dunkelheit wurden die Tore geschlossen, um die Stadt vor ungebetenen Gästen zu schützen – das war der berühmte Torschluss.

Es ist in der Tat so, dass man als langjähriger Single über 30 immer ein bisschen draußen vor den Toren der Gesellschaft steht. Man passt nicht zum Idealbild des bürgerlichen Lebenskonzepts, zu dem Frau, Mann, Kinder und ein schönes Heim gehören. Kein Wunder, dass hier ein großer Druck auf allen lastet, die jenseits der 30 immer noch nicht dieses Ziel erreicht haben. Wer hier nicht mithalten kann, fühlt sich schnell als Versager.

Die tickende biologische Uhr – Torschlusspanik bei Frauen und Männern

die biologische UhrWährend sich die Torschlusspanik früher nur darauf bezog, keinen Partner abzukriegen, hat sie heute eher mit dem Kinderkriegen zu tun. Sie erfasst Frauen über 30, Männer eher im Alter über 40. Diesem Unterschied liegen weibliche und männliche biologische Umstände zugrunde.
Zwar hat sich der menschliche Körper im Laufe der Jahrhunderte auf der biologischen Ebene verändert: Die Fruchtbarkeit der Frauen setzt früher ein. Die Lebenserwartung ist länger. Daher könnte man annehmen, dass die Fruchtbarkeit der Frau auch länger anhält. Das tut sie aber nicht. Die Haltbarkeit der Eizellen hat sich nicht verbessert. Ab 35 beginnt die Fruchtbarkeit immer noch relevant abzunehmen, ab 40 sogar deutlich. Die Schwangerschaftschancen fallen zwischen 35 und 45 um die Hälfte ab.

Diesem biologischen Druck sind Männer weniger ausgesetzt – denn sie können bis ins hohe Alter Kinder zeugen. Deshalb verschiebt sich bei ihnen die Torschlusspanik um ca. 10 Jahre nach hinten, ins Alter von 40 Jahren, wo sie sich vom Kopf her gerade noch jung genug fühlen, Kinder aufzuziehen. Wenn ein Mann also anfängt, über das Lebenskonzept Familie und Kinder nachzudenken, ist die Frau eigentlich zu alt dafür. Allerdings gibt es auch Studien aus Israel und den USA, die genau diese Tatsache widerlegen. Es gibt zwar keine Anzeichen, dass eine Andropause als Äquivalent zur Menopause existiert. Aber die Studie weist nach, dass bei Männern ab 35 die Spermienanzahl und -beweglichkeit abnimmt, und genetisch geschädigte Spermien aufgrund vom Altern des Organismus vermehr auftreten. Dies kann zu genetischen Schäden bei Nachwuchs führen.

Auf der Suche nach der großen Liebe: Warum bin ich Single?

Laut Erhebungen geht die überwiegende Mehrheit der Alleinstehenden durchschnittlich 5-6 Jahre solo durchs Leben. Sicherlich gibt es darunter einige, die ihr Singledasein bewusst gewählt haben und mit ihrem Status glücklich sind. Die meisten Singles wünschen sich aber im Grunde ihres Herzens doch einen Partner an ihrer Seite. Am Wollen kann also ihr Partnerschaftswunsch nicht scheitern. Was sind die möglichen Gründe für das unfreiwillige Single-Sein?

  • Mismatch der Geschlechter
    Unsere Gesellschaft, macht es den männlichen und weiblichen Singles nicht leicht, zueinander zu finden. Auf dem Heiratsmarkt ist mittlerweile ein echter Mismatch entstanden: Immer mehr Frauen wollen nicht nur Mutter sein und versuchen, die Berufstätigkeit und die Mutter-Rolle zu verbinden. Sie suchen Männer, die sich an der Familienarbeit beteiligen und notfalls auch ihre Berufstätigkeit reduzieren. Während Männer immer noch nach Frauen Ausschau halten, die in der Familienarbeit ihre Hauptzuständigkeit sehen.

 

  • Keine Lust auf Kompromisse
    Der Wunsch nach beruflicher Verwirklichung spielt eine große Rolle. Sind Studium, Beruf und erste Sprosse der Karriereleiter geschafft, liegt der 30. Geburtstag bereits hinter den Meisten.

 

  • Hohe Ansprüche
    Wir leben in einer Gesellschaft, in der uns suggeriert wird: Das Beste ist gerade gut genug. So wachsen die Ansprüche an einen potenziellen Partner ins Unermessliche, was zu einer wenig kompromissbereiten Partnersuche führt: Entweder ist der Partner perfekt oder man bleibt lieber allein.

 

  • Schlechte Erfahrungen
    Jeder zweite ist Single, weil wieder ein Beziehungsfiasko befürchtet wird. Alte Wunden sollen nicht aufreißen, schmerzvolle Erfahrungen aus der Vergangenheit sollen sich nicht wiederholen. Stattdessen werden vielversprechende Bekanntschaften nur oberflächlich gehalten – als unverbindliche Affären.

 

  • Kein Glück in der Partnerwahl
    Jeder Topf findet seinen Deckel – diesen Spruch predigten uns schon unsere Großmütter. Manche Menschen brauchen etwas länger, bis sie den perfekten Deckel finden. Und das lässt sich nicht beeinflussen – sondern es ist eine reine Glückssache.

Torschlusspanik: Die Heirat mit dem Frosch

Torschlusspanik ist ein schlechter Ratgeber. Denn sie führt oft dazu, dass die Menschen in der Liebe eine Vernunftentscheidung treffen – und nicht eine, die ihnen das Herz weist. Davon zeugt die Umfrage der US-Paartherapeutin Jennifer Gauvian und ihrer Co-Autorin Anne Milford aus dem Jahr 2016. Laut dieser berichtet ein Drittel der 1.000 geschiedenen Frauen, dass sie aus Torschlusspanik geheiratet haben – obwohl sie schon bei der Hochzeit wussten, dass ihr künftiger Ehemann nicht die richtige Wahl war. Sie hofften, dass sich die Beziehung in Laufe der Zeit doch noch als wahre Liebe entpuppt – und standen am Ende vor den Scherben ihrer Beziehung. Was kann man daraus als Fazit ziehen? Lieber den Richtigen später heiraten als den Falschen früher.

Torschlusspanik adé

Torschlusspanik überwindenHat die Torschlusspanik auch Sie erfasst? Zur Panik kann Torschlusspanik erst werden, wenn persönliche (Versagens)Ängste überhandnehmen. Auch wenn diese Ängste verständlich sind – sie schaffen nicht die besten Voraussetzungen für eine entspannte Partnersuche. Die wichtigste Regel heißt hierbei: Ruhe bewahren. Überwinden Sie Ihre Ängste und schaffen Sie optimale Bedingungen für eine neue Liebe. Ob und wann diese kommt? Dazu gehört Zufall und ein Quäntchen Glück – denn Liebe ist nicht planbar. Anbei ein paar Tipps, wie Sie die Torschluss-Panik ablegen und entspannter mit Ihrem Single-Dasein umgehen:

  • Zeit genießen
    Wer sagt, dass eine Partnerschaft und Familie das alleinige Rezept für die Glückseligkeit sind? Gehen Sie in der Partnersuche nicht Notlösungen ein, sondern genießen Sie aktiv die Vorteile des Single-Seins – und die Zeit, in der Sie tun und lassen können, was Ihnen gefällt, ohne Kompromisse einzugehen.

 

  • Selbstzweifel ablegen
    Sie neigen zu Selbstzweifeln und sind der Meinung, dass Sie nicht gut genug sind, um einen Partner fürs Leben zu finden? Beginnen Sie, Ihr Selbstbewusstsein zu stärken – hören Sie auf, sich ständig zu vergleichen und zu kritisieren. Mit weniger Selbstzweifeln werden Sie attraktiver auf Ihr Umfeld wirken – und ziehen leichter potenzielle Partner an. Meiden Sie dabei eine Zeitlang soziale Medien – schließlich posten viele Ihrer Kontakte nur die schönen Seiten des Lebens, was dazu führen kann, dass Sie sich noch schlechter oder einsamer fühlen.

 

  • Motivation überprüfen
    Hinterfragen Sie Ihre Motivation: Wollen Sie wirklich sesshaft werden, eine feste Partnerschaft eingehen, Familie gründen? Oder wird es Ihnen nur von außen eingeredet? Machen Sie sich frei von der Meinung anderer und hören Sie auf sich selbst.

 

  • Beuteschema überprüfen
    Fragen Sie sich, ob Sie sich nicht an Partner binden, die keine Familie wollen? Denn damit verschwenden Sie wertvolle Zeit. Überprüfen Sie auf der anderen Seite Ihre Ansprüche: Suchen Sie nach einem Idealpartner, den es gar nicht gibt? Und ist ein Partner, der nicht alle Ihre Vorstellungen zu hundert Prozent erfüllt, automatisch unpassend?

 

  • Verbissenheit ablegen
    Je verzweifelter Sie auf der Suche sind, desto mehr verändert sich Ihre Ausstrahlung zum Negativen. Ihr Gegenüber merkt schnell, dass es Ihnen nicht darum geht, ihn als Partner zu gewinnen, sondern überhaupt irgendeinen Partner zu finden. Reden Sie beim ersten Date nicht sofort über Kinder und Heiraten – sondern lassen Sie sich Zeit, die Person erst einmal in Ruhe kennenzulernen.

 

  • Tun, als ob
    Was wäre, wenn Sie wüssten, dass Ihr Traumpartner in einem halben Jahr vor Ihrer Tür stehen wird? Überlisten Sie Ihren Verstand und tun so, als ob Sie wüssten, dass es so kommt. Diese Technik ermöglicht Ihnen, die Gegenwart in vollen Zügen zu genießen. Der Glaube an ein glückliches Ende erzeugt Leichtigkeit und Lebensfreude.

 

  • Therapeutische Hilfe
    Wenn Sie mit der Zeit merken, dass Sie dazu nicht in der Lage sind, Ihre Torschlusspanik selbst zu überwinden, nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch. Es gibt zahlreiche Coaches und Praxen, die mit diesem Thema bestens vertraut sind und individuelle Lösungsmöglichkeiten anbieten – zum Beispiel gegen Verlustangst oder mangelndes Selbstbewusstsein, die hinter der Torschlusspanik stecken können.

Was bleibt am Ende zu sagen? Sicherlich ist die Gründung einer Familie und das Kinderkriegen zeitlich limitiert. Aber für eine wahre, große Liebe ist es im Leben nie zu spät.

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Helena Weiß

Über Helena Weiß

Helena Weiß ist Personalreferentin und freiberufliche Texterin. Sie war viele Jahre in diversen Werbeagenturen als Werbetexterin tätig, studierte Wirtschaftspsychologie und schreibt gerne über Themen aus dem Bereich Paarpsychologie.

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