Misstrauen in der Partnerschaft

Vertrauen und MisstrauenMisstrauen ist Gift für jede Partnerschaft, denn wer seinem Partner immer wieder böse Absichten unterstellt, sorgt mit Garantie für eine tiefe Beziehungskrise. Die Basis einer Beziehung ist das gegenseitige Vertrauen.

Chronisches Misstrauen wirkt wie eine selbsterfüllende Prophezeiung: Eines Tages beendet der Partner die Beziehung und das Misstrauen scheint bestätigt zu werden.

Misstrauen in der Partnerschaft: Beziehungskrise vorprogrammiert

Chronisches Misstrauen führt fast immer zur Beziehungskrise, die nicht selten mit der Trennung endet. Dabei tut Misstrauen weder  den Betroffenen noch den Partnern gut, denn fehlendes Vertrauen bringt viele schmerzhafte Emotionen mit sich. Jeder Mensch möchte vertrauensvoll sein und Vertrauen seiner Mitmenschen erhalten. Misstrauische Menschen fühlen sich mit den damit verbundenen Emotionen nicht wohl, denn sie gehen davon aus, dass sie wieder enttäuscht, gekränkt und verletzt werden. Weil die vergangenen Erfahrungen  schmerzvoll waren, konnte sich erst Misstrauen entwickeln. Um solche Erlebnisse zu verhindern, wird der Partner kontrolliert und mit Vorurteilen behaftet. Vor allem die Kontrolle führt den Partner letztlich in ein Lügenkonstrukt, damit er sich wenigstens teilweise selbstbestimmt bewegen kann.

Kommen diese Lügen zum Vorschein, hat sich die Überzeugung des misstrauischen Partners bewahrheitet: Er hatte scheinbar doch Recht damit, misstrauisch zu sein und mit Vertrauen vorsichtig umzugehen.

Für beide Parteien ist ein Leben mit Misstrauen mit viel Schmerz verbunden, denn die Liebe kann dadurch nicht erhalten bleiben. Der Partner, der ständig misstrauisch beäugt wird, kann es alleine nicht schaffen, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.

Misstrauen statt Vertrauen – Ursachen und Symptome

Misstrauischer Partner spioniert seiner Freundin nachWer nur schwer vertrauen kann und bereits chronisch misstrauisch ist, wird sich in der Regel selbst schützen wollen. Misstrauen entsteht oftmals durch negative Erfahrungen in der Vergangenheit. Geschah dies häufiger, wird eine Art Schutzmantel angezogen, der aus Misstrauen besteht, denn scheinbar führt Vertrauen zu Enttäuschung – so die innere Überzeugung.

Meistens haben diese Enttäuschungen aber auch mit den eigenen Erwartungen an den Partner zu tun. Es bestanden feste Vorstellungen von einem Partner und wurden diese meist unausgesprochenen Erwartungen nicht erfüllt, machte Enttäuschung den Liebesgefühlen Platz. Es wird sich also nicht in einen Menschen mit seiner individuellen Persönlichkeit verliebt, sondern es wird sich in eine imaginäre Person verliebt: Die oder der Auserwählte soll dann den Vorstellungen dieser Person entsprechen.

Chronisches Misstrauen kann sich ebenso durch Erfahrungen entwickeln, in denen miterlebt oder beobachtet wurde, wie das Vertrauen von Mitmenschen ausgenutzt wurde. Diese Erfahrung muss man nicht am eigenen Leib gespürt haben. Es kann sein, dass man als Kind mitbekommen hat, wie seine Mutter oder sein Vater vom Partner betrogen und hintergangen wurde.

Eine andere Ursache für Misstrauen ist das unbewusste Übernehmen einer Meinung. War zum Beispiel die Mutter gegenüber ihrem Mann (oder ihren Partnern) misstrauisch, weil sie bereits Untreue erlebt hatte, können sich bei der Tochter misstrauische Gefühle bemerkbar machen, sobald sie sich verliebt. Dann werden die rosaroten Wolken von Gedanken zerstört: „Meint er es wirklich ernst oder spielt er mir etwas vor?“; „Liebt er mich tatsächlich oder bin ich nur Lückenfüller für seine Ex?“.

Der misstrauische Mensch sucht förmlich nach Beweisen für sein Misstrauen – und wird selbstverständlich fündig. Der Partner braucht nur ein „falsches“ Wort zu sagen, eine andere Person herzlich begrüßen oder zu spät zur Verabredung zu kommen – schon wird ihm etwas unterstellt, welches das Misstrauen bestätigt.

Anzeichen für chronisches Misstrauen

Um selbst überprüfen zu können, ob das eigene Misstrauen bereits chronisch geworden ist, sind hier ein paar Anzeichen aufgeführt, die als Begleitsymptome deklariert werden können:

  • Man macht sich ständig Sorgen
  • Der Partner /die Partnerin wird genau beobachtet, wobei eine gewisse Angst zu spüren ist, dass sich das Misstrauen bestätigen könnte
  • Chronisch misstrauische Menschen befinden sich häufig in einer Art Alarmbereitschaft
  • Man hat das Gefühl, das Leben sei eine einzige, große Gefahr – denn Gefahren scheinen überall zu lauern
  • Innerlich lehnt man andere Menschen – und ebenso den eigenen Partner /die eigene Partnerin ab
  • Man führt innere Selbstgespräche und wägt immer wieder ab, ob man vertrauen kann oder nicht
  • Aus Angst vor Enttäuschung oder Verletzung wird man von Unsicherheit und Unwohlsein begleitet

Körperliche Begleiterscheinungen sind oftmals angespannte Muskeln, Herzrasen und hoher Blutdruck. Viele Betroffene fühlen sich zudem innerlich unruhig und nervös.

Ist Misstrauen generell schlecht?

kronisches MisstrauenMisstrauen ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes, aber: Chronisches Misstrauen ist genauso ein Extrem wie generell blind zu vertrauen. Ein gesundes Maß an Misstrauen ist also durchaus nützlich, denn dieses Gefühl warnt uns, wenn etwas nicht stimmt und wir besser genauer hinschauen oder hinhören sollten. Eine gesunde Skepsis schützt vor Situationen und Menschen, die gefährlich oder zumindest schädigend sein können.

Ein Beispiel sind Menschen, die nicht authentisch sind; bei denen die Worte nicht mit der Körpersprache übereinstimmen. Im Gespräch mit diesen Menschen stellt sich manchmal ein skeptisches Gefühl ein – und dieses Gefühl kann berechtigt und wichtig sein. Diese Warnfunktion kann somit vor Heiratsschwindlern, Verkäufern bedenklicher Produkte oder Dienstleistungen, Gewinnversprechen u.ä. schützen.

Misstrauen ist also nicht generell schlecht – chronisch misstrauisch zu sein wirkt jedoch zerstörerisch und das sowohl auf die eigene Persönlichkeit als auch auf die Partnerschaft.

Wie können Betroffene krankhaftes Misstrauen überwinden?

Aufgrund der Erfahrungen, die zu Misstrauen führten, haben in der Regel das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen gelitten. Betroffenen ist es meistens nicht bewusst, dass sie sich selbst nicht vertrauen können (ihren Gefühlen nicht trauen können) und ihre eigene Persönlichkeit nicht schätzen können.

Wenn aber Eifersucht und Misstrauen zum beinahe Dauerzustand werden, ist auch das Gefühl anwesend, andere Frauen oder Männer seien wertvoller, liebenswerter, besser…usw.

Wer lieben möchte, muss als erstes sich selbst lieben lernen – wer vertrauen möchte, muss als erstes sich selbst vertrauen lernen.

Nun kann aber dieses Misstrauen nicht von heute auf  morgen weggeschoben werden. Deshalb ist der erste Schritt in Richtung Vertrauen: Akzeptanz! Zunächst darf das Misstrauen akzeptiert werden. Manchen Betroffenen hilft es, dem Misstrauen gedanklich eine Gestalt zu geben – und diese Gestalt darf da sein. Sie darf als Begleiter durch den Alltag anwesend sein, denn schließlich gibt es Gründe, warum sie sich überhaupt erst entwickeln konnte.

Im nächsten Schritt sollten die Ursachen für das Misstrauen an die Oberfläche geholt werden. Dabei ist es empfehlenswert, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Affirmationen und Selbstkontrolle

SelbstkontrolleAffirmationen sind positiv formulierte Sätze die dabei helfen können, das Unterbewusstsein mit neuen Überzeugungen zu füttern. Das Unterbewusstsein steuert die Gedanken und Gefühle und zwar aufgrund der tiefen Überzeugungen.

Chronisch misstrauische Menschen sind davon überzeugt, keinem Menschen vertrauen zu können. Deshalb treten Gedanken auf wie „Ich kann ihr/ ihm nicht vertrauen!“ oder: „Er/ Sie will nur mein Geld; will mich betrügen; liebt in Wirklichkeit jemand anderen…!“.

Eine Affirmation könnte also lauten: „Ich vertraue ihr/ ihm voll und ganz!“ Diesen Satz sagt man sich mehrmals täglich vor – leise in Gedanken oder laut vor dem Spiegel. Zu Beginn erscheint es einem wie Selbstbetrug, sobald diese Affirmation gedacht oder ausgesprochen wird. Doch im Laufe der Zeit verändert sich etwas: Der Glaube an diesen Satz wird stärker und stärker  und dadurch verändern sich auch die Gefühle.

Ein anderer wichtiger Aspekt beim Aufbauen von Vertrauen ist die Selbstkontrolle: Statt den Partner/ die Partnerin auszufragen und zu kontrollieren sorgt man dafür, genau das nicht zu tun. Auch das wird anfangs schwer sein, denn die Kontrolle ist zur Gewohnheit geworden. Selbstkontrolle – oder Selbstbeherrschung – wird beispielsweise schwierig sein, wenn das Handy des Partners vor einem auf dem Tisch liegt und nur ein Griff notwendig wäre, um Mails und Nachrichten durchzulesen.

Doch: Alles, was wiederholt wird, entwickelt sich zur Gewohnheit. Somit wird es zunehmend einfacher, die Kontrolle loszulassen.

Was tun, wenn der Partner misstrauisch ist?

Partner eines chronisch  misstrauischen Menschen machen häufig einen gravierenden Fehler: Sie fühlen sich für die Eifersucht /für das Misstrauen verantwortlich – zumindest zum Teil. Besonders am Anfang einer Beziehung versuchen sie ihren Partner davon zu überzeugen, dass er vertrauen kann und keine Angst vor Enttäuschungen oder Verletzungen haben muss.

Diese Versuche sind jedoch zum Scheitern verurteilt, denn natürlich möchte man seinen Partner nicht mit Absicht enttäuschen oder verletzen – und trotzdem kommt es in jeder Partnerschaft vor. Paare sind nicht immer einer Meinung und tun oder sagen manchmal etwas, das beim anderen negative Emotionen auslöst.

Zum anderen sucht ein chronisch misstrauischer Mensch unbewusst nach Bestätigungen seiner Skepsis: Worte, Blicke, Gesten und Taten werden so gedeutet, dass sie als Beweis für einen Vertrauensbruch angeführt werden können.

Was kann man also tun, wenn der Partner kein Vertrauen aufbauen kann? Hier hilft nur dem Partner deutlich zu machen, dass die Verantwortung für das Misstrauen oder die Eifersucht bei ihm liegt. Das heißt: Der misstrauische Mensch muss bereit sein, gegen diese Gefühle und Gedanken anzugehen, sie zu verändern und Vertrauen aufzubauen. Als Partner kann man motivierend zur Seite stehen und dazu raten, professionelle Hilfe eines Psychotherapeuten oder eines Coachs anzunehmen. Ohne diese Hilfe ist es kaum zu schaffen, wenn die Ursache für das Misstrauen tief im Unterbewusstsein verankert ist.

In jeder Partnerschaft sollte über eigene Gefühle und Erlebnisse geredet werden können. Miteinander reden muss oftmals geübt werden – auch in diesem Bereich kann ein Paartherapeut unterstützend wirken. Beide Parteien sollten offen über ihre Gefühle, Befürchtungen und Bedürfnisse sprechen lernen – und somit auch die Emotionen ansprechen können, die mit dem Misstrauen und der Eifersucht zusammenhängen.

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