Konfliktfähigkeit in der Partnerschaft

KonfliktfähigkeitDie Konfliktfähigkeit  beider Partner ist entscheidend für das Gelingen der Partnerschaft. Probleme und Meinungsverschiedenheiten wird es auf dem gemeinsamen Weg immer wieder einmal geben.

Wird Konflikten aus dem Weg gegangen oder destruktiv gestritten, können Paare in der Trennung die einzige Lösung sehen – dabei stellen Konflikte aber auch stets eine Chance zur Weiterentwicklung der Beziehung dar.

Was bedeutet Konfliktfähigkeit in der Partnerschaft?

Eine Partnerschaft besteht aus zwei eigenen Persönlichkeiten mit individuellen Ansichten, Bedürfnissen und Lebensvorstellungen. Zum Beziehungsalltag gehören deshalb auch Konflikte, denn nicht immer ist man einer Meinung und nicht immer gehen die Wunschvorstellungen  mit denen des Partners Hand in Hand.

Konflikte bieten stets eine Chance zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung, aber auch für die Entwicklung der Partnerschaft. Dafür müssen beide Partner konfliktfähig sein und das bedeutet, konstruktiv zu streiten, miteinander zu reden und nach Lösungsalternativen zu suchen, sodass die Bedürfnisse beider erfüllt werden können.

Konfliktfähigkeit zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Durch Empathie werden Konflikte und unterschwellige Probleme rechtzeitig erkannt
  • Mut, den Konflikt oder die eigene Unzufriedenheit offen anzusprechen, denn dadurch fördert man die Auseinandersetzung mit dem Problem
  • Aktives Zuhören: Die Ansichten des Partners anhören, ohne innerlich schon nach Antworten oder Lösungen zu suchen und ohne im Innern die Sätze für das Aussprechen der eigenen Ansicht zu formulieren
  • Bereitschaft mitbringen, den Standpunkt und die Emotionen des Gegenübers zu verstehen
  • Bewusstsein darüber, dass die Selbstwahrnehmung nicht unbedingt der Fremdwahrnehmung entsprechen muss
  • Konfliktfähigkeit hängt zudem mit dem eigenen Selbstbewusstsein zusammen, denn nur wer sich seiner Bedürfnisse, Persönlichkeit, Stärken und Schwächen bewusst ist, kann erkennen, ob hinter der eigenen Wut, dem Frust oder der Enttäuschung ein ganz anderes Problem steht.
  • Selbstbehauptung ist notwendig, um Konflikte konstruktiv lösen zu können. Wer sich kleiner, weniger wertvoll fühlt, wird sich in der Regel mit destruktiven Mitteln behaupten wollen – wenn auch unbewusst.

Die Kompetenzen für die Konfliktfähigkeit werden in Kindheitstagen erlernt. Dafür ist ein Umfeld wichtig, welches konstruktives Konfliktmanagement vorlebt. Ebenfalls ist es für die spätere Konfliktfähigkeit wesentlich, ob man als eigene Persönlichkeit respektiert wurde. Mussten schon früh eigene Bedürfnisse, Wertvorstellungen und ähnliches unterdrückt werden, kann jede mögliche Meinungsverschiedenheit beängstigend wirken, sodass man konfliktscheu wird  oder sich mit destruktiven Methoden versucht zu behaupten.

Warum ist Konfliktfähigkeit für die Partnerschaft wichtig?

Empathie ist die Voraussetzung zur Lösung von KonfliktenBei der Partnerwahl reizen oftmals nicht nur die Gemeinsamkeiten, sondern ebenso die Gegensätze. Ist man selbst beispielsweise ein eher vorsichtiger, ängstlicher Typ, kann man von dem Mut und der Abenteuerlust des anderen fasziniert sein. Im Laufe der Beziehung können jedoch gerade diese Gegensätze zum Konflikt führen. Auf einmal wird die Unordnung des Partners zum großen Thema, weil man zum Beispiel selbst nur in ordentlicher, aufgeräumter Umgebung entspannen kann. Oder man merkt, dass die anfangs bewunderte Abenteuerlust des Partners das eigene tiefe Bedürfnis nach ruhigem Familienleben weckt und nun als scheinbar unüberwindbares Hindernis zwischen den Parteien steht.

Wer nun konfliktscheu ist und den Gesprächen über ein Problem aus dem Weg geht sorgt  dafür, dass sozusagen aus einer Mücke ein Elefant werden kann. Unterschwellig schwelt die Unzufriedenheit, die bei unpassender Gelegenheit zum Vorschein kommt: Der Partner wird angeschrien oder man lässt auf andere wenig konstruktive Weise Frust ab und seiner Wut freien Lauf – ohne das eigentliche Problem zu benennen.

Die Auseinandersetzung mit den Erwartungen, Wertvorstellungen und Bedürfnissen beider Parteien kann die Beziehung verbessern und die Verbundenheit fördern. Fehlt die Konfliktfähigkeit, verlaufen Streitgespräche häufig vernichtend und verletzend:

Das Vorwurfs-PingPong

Die  meisten Konflikte landen als Vorwurfs-PingPong auf dem Tisch: Es wird sich gegenseitig vorgeworfen, was der andere getan oder unterlassen hat. Auf einen Vorwurf wird mit einem Gegenvorwurf reagiert. Es wird kein Verständnis für den Partner aufgebracht und es werden auch keine Lösungen gesucht. Bei dieser Art von Streitgespräch geht es nur darum dem Partner klar zu machen, dass er Schuld an der Misere hat.

Häufig führen die Erwartungen an den Partner zu Enttäuschung und letztlich zu Wut. Statt die eigenen Bedürfnisse, Vorstellungen und Wünsche auszusprechen geht man davon aus, dass der andere diese Dinge genauso sieht oder empfindet. Werden die Erwartungen nicht erfüllt, wird das Vorwurfs-PingPong begonnen.

Beziehungskonflikte: Geschlechtsunterschiede beim Beziehungskrach

Flexibilität - wichtige Vorsaussetzung im KonfliktmanagementKonfliktfähigkeit zeichnet sich unter anderem dadurch aus, möglichst ruhig und sachlich ein Thema anzusprechen und dem anderen tatsächlich zuzuhören. Bei den meisten Paaren wird jedoch ein Konflikt erst dann angesprochen, wenn er bereits zum großen Problem angeschwollen ist. Dann reicht eine Kleinigkeit aus, um einen Beziehungskrach auszulösen.

Die Unfähigkeit mit Konflikten in der Partnerschaft konstruktiv umzugehen, äußert sich bei Frauen oftmals anders als bei Männern:

  • Viele Frauen lassen ihren Leidensdruck wachsen, indem sie immer wieder ihre eigenen Bedürfnisse und Werte unterdrücken. Auch haben viele Frauen die Erwartung, dass ihr Partner wissen müsse, was sie sich wünscht und was sie zum Glücklichsein braucht. Da sie nicht aussprechen, was sie bedrückt, kommt es mehr und mehr zu Missverständnissen. Innerlich wächst die Wut, die dann bei einem nichtigen Anlass lautstark herausgelassen wird.

Häufig haben diese Frauen als Mädchen gelernt: Sei stets artig, bescheiden und zurückhaltend. Erhört wurden sie nur dann, wenn sie lauter wurden – auch wenn dies nicht immer zum gewünschten Ergebnis führte.

  • Männer, die wenig konfliktfähig sind, flüchten vor Beziehungsgesprächen. Sie meiden die Auseinandersetzung mit Problemen in der Partnerschaft und verlassen die Szene und den Raum in der Hoffnung, dass sich bei der Rückkehr schnell wieder versöhnt wird und alles scheinbar wieder in Ordnung ist.
    Viele Männer sind die Lösungsfinder. Spricht sich die Partnerin aus ist er der Meinung, er müsse sofort eine gute Lösung für seine Frau parat halten. Ist er dazu nicht in der Lage, rüttelt dies an seinem Selbstvertrauen und er flüchtet lieber aus der Situation. Ein typisches Missverständnis in sehr vielen Partnerschaften, denn häufig erwartet sie gar keine sofortigen Lösungsvorschläge.

Setzt sich ein Paar nicht mit auftretenden Problemen konstruktiv auseinander, führt dies in den meisten Fällen zur inneren Distanz. Die Verbindung und Verbundenheit des Paares reißt mehr und mehr ein, bis Gefühle wie Enttäuschung, Traurigkeit und Wut die Oberhand übernehmen.

Konfliktfähigkeit kann man lernen

Lösungsstrategien für KonflikteKonfliktfähigkeit ist erlernbar und ist ein wesentliches Merkmal bei den Paaren, die sich auch noch nach vielen Jahren in einer glücklichen Beziehung fühlen. Diese Paare haben gelernt, wie man miteinander reden kann und anschließend gestärkt aus dem Gespräch gehen kann.

Streiten  und über Ängste, Hoffnungen, Erwartungen und Bedürfnisse reden kann man üben und es lässt sich lernen, einen aufkommenden Konflikt im Ansatz zu erkennen und zur Sprache zu bringen.

Da viele Menschen in ihrer Kindheit nicht gelernt haben, wie Konflikte konstruktiv gelöst werden können, empfiehlt sich die Art des  Zwiegespräches, wie von Michael Lukas Moeller entwickelt:

Zwiegespräche führen

Das Gespräch - der erste Schritt zur KonfliktlösungIm Zwiegespräch nach M. Lukas Moeller geht es darum, die Gesprächsbereitschaft und die Kommunikation in der Partnerschaft zu verbessern. Die Paare entwickeln die Fähigkeit des Zuhörens und Einfühlens in den Partner.

Das gegenseitige Vertrauen erhöht  sich im Laufe der Zeit, wenn die Zwiegespräche regelmäßig geführt werden. Die Partner trauen sich mehr und mehr, über ihre Ängste, Erwartungen und Bedürfnisse zu sprechen, weil dieses typische Vorwurfs-PingPong ausbleibt.

Moeller stellte Regeln auf die dafür sorgen, dass sich die Gesprächskultur des Paares verändern und die Konfliktfähigkeit entwickeln kann:

  • Das Paar vereinbart einen festen, wöchentlichen Termin für dieses Zwiegespräch, das mindestens sechzig Minuten und maximal neunzig Minuten dauern soll. Dieser fixe Termin sollte als genauso wichtig angesehen werden, wie andere bedeutsame Termine.
  • Während des Zwiegespräches werden sämtliche möglichen Störquellen ausgeschaltet. D.h., Handys werden stumm oder off gestellt, die Türklingel wird ausgeschaltet und es läuft auch keine Musik im Hintergrund.
  • Da das Paar nicht abgelenkt werden sollte, wird während des Gespräches weder gegessen noch getrunken.
  • Für das Zwiegespräch wird ein Platz gewählt, bei dem sich die Partner gegenüber sitzen können.
  • Nun darf abwechselnd geredet werden, während der andere zuhört. Beim Reden bleibt man bei sich: Die Person erzählt, wie sie sich fühlt, was sie befürchtet, erwartet und wie sie ihren Partner und die Beziehung erlebt. Es werden somit keine Du-Botschaften vermittelt (z.B.: „Du hast xy getan und deshalb fühlte ich mich klein!“, sondern z.B.: „Mein Problem ist es, dass mich manche Aussagen innerlich kränken und ich mich plötzlich klein fühle.“).
  • Vorwürfe, Bewertungen des Partners oder seines Verhaltens und Interpretationen werden ganz bewusst vermieden. Dadurch lernen beide Parteien bei sich zu bleiben und Situationen so zu erzählen, wie sie es erlebt und gefühlt haben.

Wichtig sind vor allem zwei Faktoren: Die Regelmäßigkeit und die Pünktlichkeit.  Muss einmal der Termin für das Zwiegespräch verschoben werden, dann innerhalb der Woche, sodass trotzdem das Wochengespräch stattfinden kann.

Die Dauer des Gespräches hängt mit der Aufnahmefähigkeit und Konzentration  zusammen: Nach 60 bis 90 Minuten lässt beides nach, sodass eine Verlängerung des Gespräches sich eher negativ auf den Verlauf auswirkt.

Regelmäßig bedeutet auch: Pünktlich zum vereinbarten Termin beginnen und das Gespräch pünktlich beenden. Dazu kann ein Wecker eingestellt werden.

Ich und Du: Konfliktfähigkeit bedeutet Eigenverantwortlichkeit

im Dialog bleiben - KonfliktmanagementDie nach Moeller geführten Zwiegespräche fördern die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen. Das Paar lernt, die Andersartigkeit des Partners zu akzeptieren statt zu kritisieren. Mit der Zeit wird deutlich, dass jeder für seine Gefühle und für seine Reaktionen verantwortlich ist.

Da im Zwiegespräch immer einer redet und bei sich bleibt, während der andere zuhört – also nicht bereits den nächsten Vorwurf im Geiste formuliert -, fühlen sich beide Partner im Laufe der Zeit ernster genommen und verlieren die Scheu, über ihre Ängste, ihren Ärger und ihre Bedürfnisse zu sprechen.

Die Zwiegespräche fördern eine vertrauensvolle, ehrliche und respektvolle Kommunikationskultur, die sich wiederum positiv auf die gesamte Beziehung auswirkt. Beide Partner dürfen eine eigene Persönlichkeit bleiben und das Ich und Du werden klarer. Dadurch entsteht ein neues Wir, das durch liebevolle Verbundenheit gekennzeichnet ist.

Zu Beginn wirkt das Zwiegespräch mit seinen Regeln noch befremdlich und oftmals fühlen sich die Paare erst einmal gehemmt. Aufgrund ihrer negativen Erfahrungen mit der Konfliktbewältigung haben die meisten Paare anfangs das Gefühl, sie säßen sich wie beim Verhör gegenüber. Deshalb  lassen viele nach den ersten zwei oder drei Zwiegesprächen die Termine dazu ausfallen und schieben wichtigere Dinge vor.

Die Regelmäßigkeit und die Regeln sind jedoch wichtig, damit sich eine neue, bessere Gesprächskultur entwickeln kann. Damit die Zwiegespräche Früchte tragen können, sollten beide Partner offen über ihre Erwartungen und Befürchtungen bezüglich dieses Gespräches reden. Dadurch zeigt sich meistens, dass der eine nicht alleine mit diesen Ängsten steht und häufig lenkt dieses offene Ansprechen das Zwiegespräch in die richtige Richtung: Vertrauensvoll miteinander reden, den anderen respektieren, bei sich selbst bleiben und Konflikte konstruktiv lösen.

 

Links zum Thema:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.