Kommunikationsprobleme zwischen Mann und Frau

Wir müssen reden!

Männer und Frauen kommunizieren unterschiedlichDie wohl meist gefürchtetsten drei Worte in einer Beziehung. Sehr, sehr oft der Anfang vom Ende. Meist ist es viel zu spät, um die Gräben noch zu überwinden. Das Ungesagte hat sich zu einer Mauer aufgetürmt, die keiner der Beteiligten mehr einreißen kann. Oder will. Sprechen Marsianer und Venus-Bewohnerinnen einfach nicht dieselbe Sprache? Die Erfahrung zeigt: Ja. Häufig. Viel zu häufig.

Man(n) kann nicht nicht kommunizieren, postulierte einer, der es wissen muss. Ob Wissenschaftler Paul Watzlawick je im zwischenmenschlichen Bereich am Schweigen der Männer gescheitert ist, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Funkstille tut einer Beziehung jedenfalls nie gut. Ohne Austausch verliert man sich jedenfalls früher oder später. Den kann man zwar nicht auf Biegen und Brechen erzwingen, aber lernen und üben. Und vor allem: Pflegen. „Wir haben uns auseinander gelebt“ bedeutet nicht selten: Wir haben uns viel zu lange nicht mehr die Zeit genommen, zu reden. Und: Zuzuhören!

Du verstehst mich nicht!

Kommunikationsexperten befassen sich jedenfalls schon lange mit dem zwischengeschlechtlichen Kontakt. Der muss nicht nur verbal ausfallen. Auch wenn die zahllosen Klischees von den weiblichen Plaudertaschen und mundfaulen Schweigern nicht aussterben – Anders, als immer wieder behauptet, sprudeln aus beiden Geschlechtern mehrere Tausend Wörter pro Tag heraus. Wie viele genau, konnte bis dato nicht wissenschaftlich fundiert eruiert werden. Fakt dürfte sein: Die Zahlen nähern sich einander an. Im Durchschnitt und in unseren Breiten jedenfalls. Allerdings reden wir zielstrebig und nicht selten permanent an einander vorbei.

Dabei stolpern Paare – bei aller Liebe – auch über ihre eigenen Muster: Subtilität kommt bei Ihm oft einfach nicht an, und bei notorischem Keppeln und Jammern schaltet er flugs auf Durchzug. Sie hingegen ignoriert gerne, was sie nicht sehen will. Wird er immer stiller, kann es gut sein, dass er sich – getreu dem höflichen Motto „Hast du nichts Nettes zu sagen, sag gar nichts“ auf dem inneren Rückzug befindet. Oder aber aus seiner Sicht ist alles paletti, und der Herr schweigt einfach selig vor sich hin. Sollte sich das Kommunikationsverhalten jedenfalls drastisch ändern, heißt es: Hinschauen. Analysieren. Irgendeinen Grund gibt es fast immer. Und wenn es nur daran liegt, dass er sich im Büro den ganzen Tag von der rhetorischen Schokoladenseite zeigen musste…

Kommunikationsprobleme entstehen nicht zuletzt aus jahrhundertealten, tradierten Geschlechterrollen. Frauensprache in Männersprache zu übersetzen und umgekehrt zählt zu den Herausforderungen funktionierender Zweisamkeit.

Übung macht den Meister

Plappermäuler haben einen großen Vorteil: Die Übung. Jedenfalls in ihrer Funktion als Sender. Kommunikation besteht aber aus drei essentiellen Faktoren: Sender – Empfänger – Botschaft. Zuhören kann wichtiger sein als selbst zu sprechen. Das Gesagte kann völlig nachrangig sein, wenn es vor allem darum geht, wieder Kontakt zum anderen aufzunehmen. Ohne letzteren keine Intimität, Sexualität, oder irgendeine Art des Austausches.

Männergespräche

Kennen Sie das? Er trifft sich mit Freunden, verbringt mehrere Stunden mit ihnen. Kehrt zurück, Sie fragt „Was gibt es Neues bei XY?“ und Er hat keinerlei Updates. Null. Dabei kriselt es beim einen, der andere hat eine neue Freundin, der Nachwuchs wurde endlich eingeschult usw. „Worüber habt ihr denn gesprochen?“ fragt man sich als bessere Hälfte. Das starke Geschlecht kommuniziert untereinander völlig anders als die Damen. Und in ihrer Plauder-Welt dreht sich ganz oft alles um banale Gemeinsamkeiten: Sport, Job, Arbeit, Autos. Meist Anlass-bezogen. Und vor Allem: Aufgabenbezogen.

Klischees? Mitnichten. Einfach drauf los plaudern über die Banalitäten des Alltags haben viele nicht gelernt. Die Ladies hingegen kennen eines gut: Im Zuge des unbedarften Drauf-los-Quatschens lösen sich ganz oft Fragen und Probleme, von denen sie bis dato gar nicht wussten, dass sie überhaupt Thema waren. Und so kommt es im besten Fall gar nicht erst zu einem Riesenknäuel an Missverständnissen und Unklarheiten, die aufzudröseln viel mehr Mühe macht als eine rechtzeitige Auseinandersetzung. Durch die konstante Auseinandersetzung miteinander haben die Mädels nicht zuletzt eine wichtige Fertigkeit erworben: Sie erkennen bei ihren Geschlechtsgenossinnen im Plauderton erste Warn- und Alarmsignale und assistieren durch nachfragen und bis zum „Durchkauen“ detailliertes Analysieren schon im Vorfeld, wo ein Stolperstein lauern könnte.

Hallo! Ist da jemand?

Versucht man dann mit dem Holden auf einer ähnlichen Ebene, das Gespräch fortzusetzen, überfordert man ihn schnell. „Komm auf den Punkt!“ scheint er immer wieder zu fordern. Doch den versucht sie grade selbst, zu finden. Oder zu erkennen, ob es überhaupt einen gibt.

Venus ruft Mars?

Vielleicht sind es ja wirklich zwei verschiedene Sprachen. Hinter  Du hörst mir gar nicht zu! Du redest zu viel! Steckt oft die Botschaft: Ich bin mit der Situation überfordert. Ich brauche einen Übersetzer!

Vielleicht hilft ja eine Betrachtung: Worüber redet er mit seinen Buddies? Tja, Klischee hallo: Vor allem über die Firma. Wie läuft’s bei dir? Heißt vorwiegend: Wie geht es im Job. Da kann es in Herzensangelegenheiten noch so sehr kriseln, er wird sich nicht flugs in dieser Causa Rat holen, sondern banale Anekdoten aus seinem Berufsleben von sich geben. Eventuell dann im Nebensatz seufzend irgendetwas Ironisches über den Hausdrachen erzählen.

Es folgen Maschinen aller Art als Thema, und dann eventuelles Aktuelles aus aller Welt wie Sport oder Ähnliches. Herzensangelegenheiten lassen sich die Herren auch unter einander eher aus der Nase ziehen. Und auch dann überrascht es vermutlich die Kumpels nicht, wenn er nur Fakten teilt. Heißt: Die Information „Ich lasse mich scheiden“ kann das Allererste sein, was das nahe Umfeld über Beziehungsprobleme erfährt. Klingt komisch, ist aber so!

Dass vor diesem Hintergrund die banale Frage „Was denkst du gerade?“ zu Irritationen führen kann, verwundert wenig. Auch „Was gibt´s Neues?“ können beim Homo sapiens völlig andere Assoziationen hervorrufen –  je nachdem, ob man über X und Y Chromosomen verfügt.

„Er / Sie redet zu viel“ ist übrigens auch Ansichtssache. Für die Herren bedeutet dies meist: „Plappert über Dinge, die mich nicht interessieren“. Und die Damen kritisieren sehr häufig, dass ER Monologe über sich selbst hält.

 

Tipps

Ist also Hopfen und Malz verloren? Das wäre ja noch schöner!

Mit dieser Übersetzungshilfe klappt´s besser, versprochen!

Die Damen mögen´s gerne indirekt, die Herren allerdings haben es nicht wirklich mit dem Zaunpfahl-Winken. „Verschlüsselte“ Botschaften kommen selten an. Und noch seltener gut. Klar gibt es auf beiden Seiten Meister der Manipulation – Aber wir wollen uns hier dem Austausch auf Augenhöhe widmen.

Statt dezenten Hinweisen bitte also konkrete Ansagen!!

Fünf Faktoren sind entscheidend.

  1. Der richtigen Zeitpunkt

Unterbricht man jemanden unvermittelt bei einer wichtigen Beschäftigung, erntet man vor allem Widerstand. Während einer möglich angenehm gestalteten Pause dann kurz und bündig, umgehend, freundlich und doch hartnäckig zum Punkt kommen!!

  1. Forderungen vermeiden

Das innere Alarmsystem schrillt schnell in höchsten Tönen, wenn man sich in die Ecke gedrängt fühlt. Klassische Abwehrreaktionen vernebeln schnell den Blick aufs Wesentliche. Sachkompetenz und Motivation fördern die Fähigkeit zur Problemlösung. Im Zweifelsfall lieber um etwas bitten und um Rat fragen als es verlangen.

  1. In der Kürze liegt oft die Würze

Langatmige Einleitungen nerven schnell. Schier endlose Begründungen detto. Klare und simple Kommunikation hingegen überzeugt. Wenn es nach Überredungsgeschwafel ausschaut, machen wir alle schnell dicht. Nachfragen und konstruktives Input hingegen schadet eigentlich nie.

  1. Direktheit siegt – aber nur konkret

Was will man wem genau warum vermitteln? Sich vorher selbst kurz darüber klar zu werden kann entscheidend sein. Die meisten von uns freuen uns sehr, wenn man sich in einer konkreten Sache explizit an uns wendet. “Sag, du hast doch damals diese Troubles mit XY so elegant gelöst, vielleicht kannst du mir ja einen Tipp geben in Sachen…“ wirkt nicht selten selbst beim größten Schweiger. Auf der anderen Seite kann ein „Jetzt kennen wir uns schon so lange und haben uns noch nie über YZ unterhalten“ kann weit mehr bewirken als „Erzähl mir was“. Faustregel: Je genauer Frau weiß, was sie (erfahren) will, desto eher wird Mann sie verstehen.
No-Gos sind vorwurfsvolle, verallgemeinernde Plattitüde à la „Immer muss ich dir alles aus der Nase ziehen“, oder „Nie erzählst du mir etwas“.

  1. Konjunktive vermeiden

Der Sprachgebrauch in der Arbeitswelt besteht meist aus eindeutigen Ansagen. Den sind die Herren der Schöpfung gewöhnt. Klingt banal, aber wenn man es sich laut selbst vorsagt, merkt man: „Wir könnten mal wieder ausgehen“ „Würdest du nicht auch gerne ans Meer fahren (Antwort: „Ja“ und die Sache ist abgehakt) hat eine ganz andere Dynamik als „Komm, wir planen jetzt einen Pärchen-Abend, der uns beiden Spaß macht“ oder „Lass uns noch heute einen Urlaub buchen!“. Für Frauen klingt das höflicher, Männer sind eher irritiert und haken die Konversation im Handumdrehen ab.

Vielleicht ein evolutionäres Erbe. „Man könnte sich gegen den Säbelzahntiger schützen“ scheint tatsächlich wenig zielführend.

Staunen und Wundern

Auch wenn es gerade in Sachen Kommunikationsverhalten zwischen den Geschlechtern so häufig scheint, als wäre es ohne Hilfe professioneller Psychologie unmöglich, auf einen Nenner zu kommen, liegt Vieles schlicht an der Einstellung. Die Geschichte von Partnerschaften ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Der renommierte Paarberater Michael Mary empfiehlt schlicht einen offenen, neugierigen Blickwinkel. Der Partner, die exotische Spezies von einem anderen Kontinent. Was hat sein geheimnisumwitternder Stamm für einen Gesprächs- und Kommunikationsstil? Auf welcher verbalen Ebene kann ich mich mit ihm austauschen?

Sehen wir den Austausch doch einmal wie das „Mit-Händen-und-Füßen-Gestikuliere“ in einem fremden Land, dessen Sprache wir nicht beherrschen. Aufgabenbezogen. Muss man elegant-eloquent die typischen lokalen Köstlichkeiten bestellen können. Was zählt ist, dass man am Ende des Tages gemeinsam neue Erinnerungen geschaffen hat, die verbinden.

Mein Partner, das fremde Wesen. Wenn man sich den Zauber des Unbekannten und Rätselhaften bewahren kann, ist die komplexe Aufgabe der Kommunikation und des Austausches eine atemberaubende Reise, die beide Seiten bereichert. Hineinschauen kann niemand in den anderen – und zu erwarten, dass das Herzblatt Gedanken lesen kann, ist schlicht zu viel verlangt.

Übersetzungshilfen schaden nie. Nachfragen auch nicht. Jeder hat seine Eigenheiten. Manchmal können wir einfach nicht auf den Punkt kommen und sagen das eine und meinen das andere. Das geschieht nur allzu oft völlig unbewusst, daher sind Vorwürfe diesbezüglich selten angebracht. Interpretieren wir weniger, kommunizieren wir mehr.

Wie meinst du das? Warum fasziniert dich das? Was für einen Stellenwert hat das in deiner Welt? Kann es sein, dass… Was würdest du an der momentanen Situation am liebsten ändern? Was gefällt dir in deinem Leben derzeit am besten?

Der kleine feine Unterschied wird in vielerlei Hinsicht auch biologistisch erklärt. Vielleicht haben wir kaum Chancen, weil wir die beiden Gehirnhälften unterschiedlich nützen. Und das Sprachzentrum schlicht anders platziert ist. Vielleicht werden wir es nie erfahren. Ja, Männer sind anders. Frauen auch. Aber vielleicht macht es ja gerade das so spannend. Meister großer Worte fallen nur spärlich vom Himmel, und wenn, dann landet man trotzdem nicht zwangsläufig im siebtem Himmel mit ihnen.

Ordnung in die Gedanken bringen

Eventuell verarbeiten wir ja etwa die unspektakulären Geschehnisse des Alltages abends einfach differenziert. Während Sie Ihn gern an der Türe mit ihren Erlebnissen bombardiert, braucht er eben eine Weile, um in Ruhe seine Gedanken zu ordnen. Weil er sie nur dann teilen kann. Sie ordnet und teilt gleichzeitig. Aber wir alle kennen mittlerweile auch Gegenbeispiele, oder? Nicht alle Damen telefonieren gerne stundenlang ohne konkreten Anlass, manche Herren sind die besten Zuhörer.

Über Gefühle zu reden oder Probleme breitzutreten, hat das schöne Geschlecht eher gelernt und perfektioniert. Er sieht keinen Sinn darin, jemanden mit hinter zu ziehen, solange es keine handfesten Lösungsstrategien gibt. Das kommt nicht zwangsläufig einem Vertrauensmangel gleich. Harte Fakten sind ihre Welt, so wurden sie fast durch die Bank erzogen. Da mangelt es sogar am Vokabular. Vielleicht leiden die Herren ja so dermaßen ausgiebig, wenn sie verschnupft sind? Wer weiß. Jedenfalls funktioniert die Kommunikation nur ganz selten von Null auf Hundert. Lässt man den Besten über seine Lieblings-Topics plaudern, stehen die Chancen besser, danach etwas tiefer zu gehen.

Übung macht den Meister. Kleine Rituale auch. Häufig spricht er im Laufe einer Partnerschaft immer weniger. Schade! Ein einfühlsames SMS, ein paar liebe Worte auf einem Post-it am Kühlschrank, so manch ein verliebter Schweiger schafft es doch, Zeichen zu setzen und sein Herz wenn schon nicht auf der Zunge zu tragen, doch in Buchstabenform auszuschütten. Dass das kein Zeihen von Schwäche ist, muss sich wohl noch flächendeckend herumsprechen. Reden wir darüber!

„That´s when you know you found someone really special. When you can just shut the f* up for a minute an comfortably enjoy the silence“ Pulp Fiction, Mia

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