Klammern in der Beziehung

Wenn Nähe in der Beziehung zu viel wirdEine Beziehung zu führen bringt immer gewisse Schwierigkeiten mit sich. Das bedeutet jedoch in keinem Fall, dass sie des Kämpfens nicht wert ist. Wie sieht es aber aus, wenn einer der Partner den anderen mit seiner Liebe nahezu erdrückt? Das Klammern in einer Beziehung kann für beide Partner auf eine Weise extrem schwer zu ertragen sein und auf Dauer zum Beziehungskiller werden.

Verschiedene Gründe für das Klammern in einer Beziehung

Wenn eine Person klammert, können dahinter verschiedene Probleme stecken. Zu Beginn einer Partnerschaft ist es normal, dass beide sich ständig sehen und möglichst keine Zeit ohne einander verbringen möchten. Sobald die erste Verliebtheit aber vorbei ist, sollte sich dieses Bedürfnis zumindest ein wenig legen. Entstanden allerdings in der Kindheit Bindungsprobleme, so können sich diese stark auf die Gegenwart und das Verhalten in den eigenen Beziehungen auswirken. Teilweise haben die Betroffenen schlichtweg aber auch einfach nicht die nötige Kreativität um sich selbst eine Beschäftigung für die Freizeit zu überlegen.

Der häufigste Grund für das Klammern in einer Partnerschaft ist in Verlustängsten begründet. Menschen, die kein besonders großes Selbstvertrauen haben, benötigen ständig Bestätigung von ihrem Partner um sich wertgeschätzt und geliebt zu fühlen. Bekommen sie dies nicht, so fühlen sie sich leicht einsam und wertlos. Auch Unselbstständigkeit kann in großem Maße dazu beitragen, dass der Partner eingeengt wird. Häufig haben sich die Betroffenen nicht recht von den Eltern gelöst und können sich nur schwer daran gewöhnen ein eigenes Leben zu führen.

Klammerer und wie sie sich in der Beziehung zeigen

Zu Beginn mag es in einer Beziehung nicht besonders auffallen, ob eine Person klammert und sogar schön sein, ständig Liebesbeweise und Nähe zu bekommen. Den meisten Menschen wird genau dies nach kürzester Zeit aber schon zu viel.

Klammerer zeigen durch verschiedenste Gesten, dass sie ohne den Anderen nicht leben können und sagen dies häufig auch ganz deutlich. Ihre Angst verlassen zu werden ist riesig und aus diesem Grund möchten sie alles geben, damit genau dies nicht geschieht. Teilweise kann es sogar vorkommen, dass sie dem Partner Schuldgefühle machen, wenn er alleine oder mit Freunden etwas unternehmen möchte.

Im Schlimmsten Fall drohen die Betroffenen damit, sich selbst das Leben zu nehmen, falls es zu einer Trennung kommen sollte. Sie ahnen nicht, dass ihr einengendes Verhalten wesentlich eher zu einem der häufigsten Trennungsgründe zählt. Unternimmt der Partner etwas allein, so fühlt sich der Klammerer in der Regel zurückgesetzt, einsam und ungeliebt. Dies zeigt er dem Partner deutlich, sodass dieser kaum mehr Spaß haben kann, wenn er seinen eigenen Interessen nachgeht. Er beginnt sich zurückzunehmen und sein Leben nur mehr nach dem Partner auszurichten, was beide auf Dauer nur schwer glüecklich machen kann. Problematisch für die Person, die sich eingeengt fühlt, ist, dass es sich für sie so anfühlt, als ob der Andere ständig in die Beziehung investieren würde und sie niemals hinterher kommen können. Die Beziehung beginnt sich dann eher wie Druck anzufühlen und lastet schwer auf den Schultern anstatt etwas Leichtes und Schönes zu sein.

Erste Hilfe – Beziehungsprobleme richtig lösen

Damit sich Beziehungsprobleme rund um das Thema des Klammerns nicht in Trennungsgründe verwandeln, ist es wichtig, sie beim Schopf zu packen und zu lösen, bevor es für beide Partner nur mehr getrennte Wege geben kann.

  1. Offenes Gespräch

Beide Partner sollten ganz offen mit einander sprechen und sagen, wo für sie die Probleme in der Beziehung liegen. Besonders die eingeengte Person sollte erklären, dass sie sich erdrückt fühlt und dabei unterstreichen, dass dies nichts mit der Person des Partners an sich zu tun hat. Es ist wichtig zu erklären, dass man sich nicht vom Partner gestört fühlt, sondern sich lediglich mehr Freiheit wünscht.

  1. Richtige Balance finden

Idealerweise lässt sich ein Kompromiss finden, sodass beide Partner die richtige Mischung aus Nähe und Distanz zu einander finden und sich weder einsam noch erdrückt fühlen. Eine Möglichkeit besteht darin, feste Wochentage festzulegen, die nur für den Partner reserviert sind, während beide an anderen Tagen ihren Hobbies nachgehen oder Freunde treffen. Fällt es dem Klammerer weiterhin schwer, so kann eine kleine „Wiedersehensfeier“ als Ritual eingeführt werden, wenn beide von ihren Ausflügen zurück sind. Die richtige Balance zwischen Einsamkeit und Zweisamkeit lässt sich am besten finden, wenn beide über Hobbies verfügen, die sie ausfüllen, sodass sie vergessen, sich nur auf den Partner zu fokussieren.

  1. An sich selbst arbeiten

Vor allem die klammernden Personen müssen unbedingt an sich arbeiten. Sie sollten begreifen, dass es auch ein Leben außerhalb der Beziehung gibt. Dieses besteht beispielsweise aus dem Job, den dortigen Bekanntschaften, den Freunden und den Hobbies. Selbstverständlich darf der Partner der wichtigste Planet im eigenen Sonnensystem sein. Er sollte jedoch nicht der einzige sein. Wenn er wegfällt müssen unbedingt noch weitere Planeten übrig sein, auf denen sich das Leben immer noch lohnt.

So sieht die „ideale“ Beziehung aus – Tipps für die eigene Partnerschaft

Die ideale oder perfekte Beziehung gibt es selbstverständlich nicht, aber es gibt durchaus einige Tipps und Tricks zu befolgen, damit die Partnerschaft nicht durch Ängste oder Eifersucht zerfressen wird und beide Partner sowohl die Zweisamkeit als auch die Einsamkeit in vollen Zügen genießen können.

  1. Rituale sind wichtig

Selbstverständlich sollten nicht alle Abläufe in einer Beziehung einander gleichen, da es sonst leicht langweilig werden kann. Ritualisierte Abläufe sorgen jedoch für die Sicherheit, die Personen, die zum Klammern neigen, extrem wichtig ist. Sie planen in der Regel gerne und sind häufig nicht besonders spontan. Wenn sich der Partner darauf einlassen kann, seine freie Zeit mit sich selbst, mit Freunden, Kollegen oder seinem Hobby an festen Tagen zu planen, so kann dies eine große Erleichterung für die Partnerschaft darstellen. Gleichzeitig sollten auch die Tage, an denen die Beziehung im Vordergrund steht, fest gemacht werden. Alle Aktivitäten haben dann die gleiche Priorität und dürfen nicht aus dem Kalender gestrichen werden. Sobald hierbei ein wenig Routine eingekehrt ist, können auch Probleme wie Eifersucht deutlich abnehmen.

  1. Probleme an der Wurzel behandeln

Klammert eine Person stark in der Partnerschaft, so kann das zahlreiche Gründe haben. Die Probleme lassen sich nur bewältigen, wenn klar ist, woher sie kommen. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass beide Partner offen miteinander sprechen und sich erklären, wo die Probleme liegen und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Manchmal kann es auch hilfreich sein, die Gefühle und Gedanken zu notieren, sodass beide genau erklären können, was sie verändern möchten oder was sie bereits als optimal ansehen. Ist der Grund für die Probleme gefunden, kann es dem Klammerer helfen, wenn er bei der Lösung unterstützt wird. Beispielsweise kann er zum klärenden Gespräch mit den Eltern mitkommen, wenn das Problem in der Loslösung vom Elternhaus besteht. Auch der Kontakt mit einer unbefangenen, neutralen Person kann sehr hilfreich sein um beiden Partnern die Augen zu öffnen. In einer Paartherapie lernen sie ihre Stärken und Schwächen kennen und lernen zugleich, wie sie als Paar besser funktionieren können.

  1. Vertrauen als Basis

Wer unter Verlustängsten leidet, hat es schwer, jemandem anderen wirklich zu vertrauen. Häufig wird die Treue des Anderen in Frage gestellt und die Angst vor dem Fremdgehen ist groß. Dabei spielt es keine Rolle, wie groß der Altersunterschied zwischen beiden Partnern ist. Um der Beziehung das nötige Fundament zu verleihen und gegen das Klammern anzugehen, ist es extrem wichtig, dass beide sich blind aufeinander verlassen können. Je größer das Vertrauen ist, desto geringer wird auch die Angst, den Anderen zu verlieren. Vertrauen lässt sich selbstverständlich nicht von heute auf morgen aufbauen. Dafür ist sehr viel Zeit und Geduld notwendig, doch die Geduld lohnt sich.

  1. Gemeinsame Zeit richtig organisieren

Eifersucht und die damit verbundenen Kontrollen und Verlustängste entstehen leicht, wenn es den Anschein hat, als wäre die gemeinsame Zeit nur eine Art notwendiges Übel. Sie sollte nicht im Alltagsstress untergehen. Wer nur gemeinsam zu Abend isst und die Wohnung putzt, wird auf Dauer etwas vermissen. Ein gemeinsames Hobby, wie zum Beispiel Tanzen und regelmäßige Ausflüge sind wichtig, damit die Beziehung nicht einschläft und beide Partner sich wertgeschätzt fühlen.

  1. Über Probleme, Fantasien und Wünsche sprechen

Die wohl beste Methode um Missverständnissen vorzubeugen und das Klammern einzudämmen, sind offene Gespräche. Beide Partner sollten einander stets genau erklären, was sie fühlen und erklären, wie sie sich eine Verbesserung vorstellen könnten. Häufig fühlt nur einer von beiden, dass etwas nicht stimmt. Dann ist es umso wichtiger, dies zu kommunizieren und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Auf diese Weise wird es leichter, zu erkennen, wann das richtige Maß an Nähe und Distanz für beide erreicht ist und einer glücklichen Beziehung steht nichts mehr im Wege.

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