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Helena Weiß

Über Helena Weiß

Helena Weiß ist Personalreferentin und freiberufliche Texterin. Sie war viele Jahre in diversen Werbeagenturen als Werbetexterin tätig, studierte Wirtschaftspsychologie und schreibt gerne über Themen aus dem Bereich Paarpsychologie.

Verliebt in den besten Freund: Wenn die Freundschaft in Versuchung gerät

verliebt in den besten Freund„Männer und Frauen können nie Freunde sein, der Sex steht immer zwischen ihnen.“ Wer kennt nicht diesen Satz von Harry, einem der beiden Hauptprotagonisten aus der berühmten Hollywood-Liebeskomödie „Harry und Sally“, die in den 80er Jahren unsere Lachmuskeln strapaziert hat. Und uns im Anschluss dazu animiert hat, im Freundes- oder Kollegenkreis zu diskutieren: Können Männer und Frauen überhaupt befreundet sein? Eine Frage, die vielleicht nie ganz abschließend beantwortet werden kann – hängt doch dabei so viel von individuellen Faktoren ab. Aber was passiert, wenn der „Ernstfall“ tatsächlich eintritt – wenn sich in die Freundschaft ganz leise die Liebe einschleicht? Was können Sie tun, wenn Sie sich unerwartet und urplötzlich in Ihren besten Freund verliebt haben?

Verliebt in den besten Freund: Das Geheimnis der Freundschaft

Sich in den besten Freund zu verlieben, setzt zuallererst voraus, mit ihm eine Freundschaft zu pflegen. Aber wie entsteht eigentlich dieses Gefühl der Freundschaft – erst einmal unabhängig vom Geschlecht Mann und Frau? Der Psychologieprofessor Mitja Back von der Universität Mainz zweifelt an dem Spruch „Gleich und gleich gesellt sich gern.“

Nach seinen Erkenntnissen spielt es für die Freundschaft keine Rolle, ob uns jemand wirklich ähnlich ist – es reicht, wenn wir ihn als ähnlich wahrnehmen: Ähnlich gewissenhaft, offen, extrovertiert, verträglich oder ängstlich. Darüber hinaus spielt die Berechnung auch eine wichtige Rolle bei der Anbahnung der Freundschaft – und mit ihr die Fragen: „Wie gut kann mich diese Person trösten? Wie gut kann ich mich mit ihr amüsieren?  Wie gut kann sie mir im Alltag helfen?“ Laut Mitja Back sind Freundschaften einfach ein Mittel, um uns gegenseitig in schwierigen Situationen zu helfen.

Freundschaft zwischen Mann und Frau: Der Kumpel mit der Kumpeline

Freundschaft zwischen Frau und MannBis vor etwa 100 Jahren war die Freundschaft zwischen Männern und Frauen ein unbekanntes Phänomen – vor allem aus dem Grund, weil beide Geschlechter ihren Lebensalltag getrennt verbracht haben: Mädchen und Jungs in getrennten Schulen, später in unterschiedlichen Berufen, in der Freizeit an unterschiedlichen Plätzen (Frauen mehr im Haushalt und mit Freundinnen, Männer im Beruf, Job und Kneipen). Gemischte Freundschaften galten als anrüchig und waren höchstens denen vorbehalten, die in besonders liberal denkenden Gesellschaftskreisen wie in der Künstlerszene verkehrten. Heute überschneiden sich mittlerweile die Lebenswelten von Männern und Frauen, sodass es automatisch zu mehr Begegnungen kommt – womit auch mehr Chancen entstehen, Sympathien zu entwickeln, platonische Freundschaften entstehen zu lassen. Aber sind diese platonischen Freundschaften auch immer so platonisch, wie man vorgibt? Schwebt nicht über ihnen immer ein Stück sexueller Anziehung?

Der Evolutionspsychologe Lars Penke von der University of Edinburgh ist der Meinung: „Aus evolutionärer Perspektive ist jede halbwegs gleichaltrige Person des anderen Geschlechts ein potenzieller Fortpflanzungspartner.“ Die amerikanische Kommunikationsforscherin Heidi Reeder hat mittels ihrer Umfragen herausgefunden: 28 Prozent der Befragten fanden ihren engen Freund oder ihre enge Freundin körperlich anziehend, 14 Prozent sehnten sich sogar insgeheim nach einer Liebesbeziehung, 39 Prozent hatten zumindest früher romantische Absichten gehabt. Eine weitere Studie zeigt: Ein Viertel der Singlemänner hegen für ihre beste Freundin mehr als rein freundschaftliche Gefühle – und elf Prozent der Singlefrauen geht es mit ihrem besten Freund genauso. Allerdings gibt es hierbei einen interessanten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Viele Männer finden ihre platonische Freundin attraktiv; Frauen hingegen bezeichnen ihren platonischen Freund nur selten als gutaussehend und scheinen offensichtlich deutlich zu unterscheiden – zwischen einem potentiellen Partner und einem platonischen Freund. Der Psychologe Volker Drewes erklärt: Dies deckt sich mit der biologisch-evolutionären These, dass Männer wahlloser nach Partnerinnen suchen und Frauen gezielter den Richtigen.“

Und dann hat es doch Zoom gemacht

beziehung mit bestem freund„Tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert“, singt Klaus Lange in seinem berühmten Lied, und vielleicht ist es Ihnen jetzt auch so ergangen: Den Freund, mit dem Sie Nächte durchtanzt haben, mit dem Sie durch dick und dünn gegangen sind, dem Sie nach gescheiterten Beziehungen nächtelang die Hand gehalten haben, und der Sie nach Ihren Liebesdramen getröstet hat, sehen Sie plötzlich in einem anderen Licht: Aufregender. Attraktiver. Männlicher. Und haben plötzlich festgestellt, dass Sie für ihn mehr als nur Freundschaft empfinden.

Laut Lars Penke ist eine plötzliche Verliebtheit nach vielen Jahren Freundschaft zwar eher selten – denn bei Freunden, die sich in- und auswendig kennen, ist die Gefahr gering, dass das Verhältnis noch ein erotisches Niveau erreicht. Schließlich verhält es sich in der Freundschaft ähnlich wie in Liebesbeziehungen – das anfängliche Prickeln und die Neugier weichen der Vertrautheit, aber auch der Gewohnheit.

Dass sich in die Freundschaft dennoch Liebesgefühle hineinschleichen, ist auf der anderen Seite nicht ausgeschlossen – schließlich entsteht Verliebtheit auch aus der Nähe zwischen zwei Menschen, die in der Freundschaft doch so viel miteinander teilen: Freud und Leid, Erfolge und Misserfolge, gute und schlechte Zeiten. Wenn dies dann geschieht, war die Freundschaft möglicherweise von Ihrer Seite aus von Anfang an auf Liebe vorprogrammiert. Die Liebe entstand nicht, nach der Meinung des Psychologen Eric Hegmann, auf den ersten Blick, sondern auf dem wachstumsorientierten Weg: Von der Sympathie über Zuneigung und Freundschaft bis hin zur Liebe.

Verliebt in den besten Freund – was tun?

Zeit verbringen mit dem besten FreundWenn Sie also plötzlich feststellen, dass sich für Sie die Freundschaft zur Liebe entwickelt hat, werden sicherlich gleichzeitig Zweifel aufkommen – und mit ihnen die zwangsläufigen Fragen: Erwidert er Ihre Gefühle? Sollen Sie ihm Ihre Liebe gestehen? Diese Zweifel sind sicherlich begründet: Denn wenn man sich in einen Freund verliebt, droht die Gefahr, doppelt zu verlieren, wenn die Gefühle nicht auf Gegenseitigkeit basieren: einen Menschen als potentiellen Partner, aber auch einen Freund, dem man gerne sein Herz ausschüttet.

Mit folgenden Strategien können Sie sich in der Gefühlszwickmühle behelfen:

  • Der Lebensphase-Check. Der Psychologe Wolfgang Bergmann aus Hannover rät, sich zunächst über seine Gefühle klar zu werden und nichts zu überstürzen. Ist es wirklich Liebe, die man empfindet, oder steckt etwas Anderes dahinter? Denn besonders in Phasen, in denen man eine schwere Zeit durchmacht – wegen einer unschönen Trennung, familiären Problemen, Schwierigkeiten im Beruf – sucht man nach einem Anker im Leben. Und diesen findet man oft im besten Freund. Denn der beste Freund strahlt Ruhe aus, vermittelt Verständnis und Geborgenheit – diese Empfindungen können leicht mit Liebe verwechselt werden. Also Hand aufs Herz: Ist es Liebe – oder nur eine Phase?

 

  • Der Verliebtheits-Check: Entsprechen Ihre Gefühle tatsächlich der Verliebtheit und der Liebe? Wenn ja, treffen die meisten folgenden Punkte auf Sie zu:

 

      • Sie hatten noch nie Hemmungen gegenüber Ihrem Freund, konnten ihm alles erzählen. Seit Kurzem merken Sie aber, dass Sie in seiner Nähe schüchtern und unsicher sind.

 

      • Normalerweise treffen Sie sich gemeinsam mit Freunden – in letzter Zeit haben Sie das Bedürfnis, mit ihm allein zu sein.

 

      • Neuerdings geben Sie sich mit Ihren Outfits mehr Mühe, bevor Sie ihn treffen.

 

      • Bei der Begrüßung auf die Wange ertappen Sie sich, dass Sie diese besonders genießen.

 

      • Wenn Sie Ihren Freund ansehen, denken Sie jetzt öfter, dass er ziemlich attraktiv ist.

 

      • Werden Sie unterwegs für ein Paar gehalten, freuen Sie sich darüber, statt über dieses Missverständnis verwundert zu sein.

 

      • Wenn er von anderen Frauen oder Kolleginnen schwärmt, fühlen Sie einen Stich im Herz – die Eifersucht.

 

      • Sie haben sich schon mal ausgemalt, wie es wäre, mit ihm zusammen zu wohnen, oder wie Ihre gemeinsamen Kinder aussehen könnten.

 

  • Der Status-Check: Wenn Ihr bester Freund in festen Händen ist, zeigen Sie sich besser als wahre beste Freundin: Versuchen Sie nicht, die Beziehung der Beiden zu unterminieren. Denn Ihr bester Freund wird nicht mehr für Sie empfinden, wenn Sie zu falschen Mitteln greifen – sondern eventuell sogar weniger. Sind Sie umgekehrt in einer festen Beziehung und haben sich in Ihren besten Freund verliebt, sollten Sie in sich gehen und die Gefühle zu Ihrem Partner überprüfen. Funktioniert Ihre Beziehung immer noch gut? Oder wie konnte es sonst passieren, dass Sie Gefühle für einen anderen Mann entwickelt haben?

 

  • Ehrliche Aussprache: Wenn Ihre Gefühle für Ihren Freund tatsächlich sehr stark sind, suchen Sie mit ihm eine Aussprache. Denn eine ungeklärte Beziehung bringt Ihnen Beiden mehr Leid als Freude: Sie müssen zusehen, wenn er Ihnen seine neue Freundin vorstellt, er versteht Ihre seltsamen Verhaltensweisen in der letzten Zeit nicht und zweifelt vielleicht an Ihren Qualitäten als Freundin.

 

Erst nach einer ehrlichen Aussprache wissen Sie mehr. Erst dann wissen Sie, woran Sie sind und können handeln. Für diesen Fall hält das Leben zwei mögliche Szenarien für Sie bereit: Ihr Freund erwidert Ihre Gefühle – oder er erwidert Sie eben nicht. Im ersten Fall können Sie sich freuen, da Ihre Beziehung beste Chancen auf ein Happy End hat. Schließlich scheitern die meisten Liebesbeziehungen nicht an zu wenig Liebe, sondern an zu wenig Freundschaft. Diese Hürde haben Sie bereits geschickt umgangen – indem Sie Beide sich schon mal in Freundschaft geübt haben.

Im zweiten Fall allerdings, wenn Ihre Schmetterlinge im Bauch den falschen Weg eingeschlagen haben, und Ihr bester Freund Ihre Gefühle nicht erwidern kann, könnte es erst einmal für Sie schmerzlich werden. Denn niemand erlebt gerne eine Zurückweisung – und erst recht nicht von einem Menschen, dem man sehr nah steht. Dann kann nur ein Abstand zwischen Ihnen erst einmal sehr heilsam sein, um die entstandene Wunde nicht permanent aufzureißen. Und wer weiß – vielleicht heilt sie schneller als gedacht, und Sie können sich nach einiger Auszeit wieder wie gute Freunde begegnen.

Torschlusspanik: Warum sie aufkommt und wie wir damit umgehen

Torschlusspanik verstehenErst hatte das Studium Priorität, dann die Karriere. Das Leben war unbeschwert, voller Partys, ausgefallener Hobbies, Reisen in exotische Länder.

Und plötzlich ist alles anders – zumindest bei den Anderen aus dem Freundeskreis. Sie scheinen an ihrer Uhr gedreht zu haben und beschäftigen sich nun mit Hochzeit, Familiengründung und Hausbau.

Und was bleibt einem selbst? Partys, zu denen keiner mehr mitgeht. Kneipentouren, die um 22 Uhr enden. Und ein komisches Gefühl im Bauch, dass man irgendwie zu spät ist: Die Torschlusspanik.

Die schwarzen Schafe der Gesellschaft

Torschlusspanik bei MännernSind Sie über 30 und immer noch nicht in festen Händen? Dann befinden Sie sich eigentlich in guter Gesellschaft: Denn vier Millionen junge Männer und Frauen zwischen 20 und 35 Jahren leben heute allein. Das ist umgerechnet fast jeder vierte. So tröstend diese Zahlen auch belegen mögen, dass man nicht allein ist – sie schützen vor der Torschlusspanik dennoch nicht: der Angst, dass man es verpasst hat, den richtigen Partner zu finden. Familie zu gründen. Ein Haus im Grünen zu bauen.

Stattdessen – wie die Redewendung schon andeutet – vor dem verschlossenen Tor des Lebens zu stehen. Wobei die berühmte Redewendung „Torschlusspanik“ eigentlich ihrem Ursprung nach nichts mit Single-Dasein und Alter zu tun hat. Sie geht auf das Mittelalter zurück, als Städte noch von dicken Mauern zum Schutz der Einwohner umgeben waren. Bei Einbruch der Dunkelheit wurden die Tore geschlossen, um die Stadt vor ungebetenen Gästen zu schützen – das war der berühmte Torschluss.

Es ist in der Tat so, dass man als langjähriger Single über 30 immer ein bisschen draußen vor den Toren der Gesellschaft steht. Man passt nicht zum Idealbild des bürgerlichen Lebenskonzepts, zu dem Frau, Mann, Kinder und ein schönes Heim gehören. Kein Wunder, dass hier ein großer Druck auf allen lastet, die jenseits der 30 immer noch nicht dieses Ziel erreicht haben. Wer hier nicht mithalten kann, fühlt sich schnell als Versager.

Die tickende biologische Uhr – Torschlusspanik bei Frauen und Männern

die biologische UhrWährend sich die Torschlusspanik früher nur darauf bezog, keinen Partner abzukriegen, hat sie heute eher mit dem Kinderkriegen zu tun. Sie erfasst Frauen über 30, Männer eher im Alter über 40. Diesem Unterschied liegen weibliche und männliche biologische Umstände zugrunde.
Zwar hat sich der menschliche Körper im Laufe der Jahrhunderte auf der biologischen Ebene verändert: Die Fruchtbarkeit der Frauen setzt früher ein. Die Lebenserwartung ist länger. Daher könnte man annehmen, dass die Fruchtbarkeit der Frau auch länger anhält. Das tut sie aber nicht. Die Haltbarkeit der Eizellen hat sich nicht verbessert. Ab 35 beginnt die Fruchtbarkeit immer noch relevant abzunehmen, ab 40 sogar deutlich. Die Schwangerschaftschancen fallen zwischen 35 und 45 um die Hälfte ab.

Diesem biologischen Druck sind Männer weniger ausgesetzt – denn sie können bis ins hohe Alter Kinder zeugen. Deshalb verschiebt sich bei ihnen die Torschlusspanik um ca. 10 Jahre nach hinten, ins Alter von 40 Jahren, wo sie sich vom Kopf her gerade noch jung genug fühlen, Kinder aufzuziehen. Wenn ein Mann also anfängt, über das Lebenskonzept Familie und Kinder nachzudenken, ist die Frau eigentlich zu alt dafür. Allerdings gibt es auch Studien aus Israel und den USA, die genau diese Tatsache widerlegen. Es gibt zwar keine Anzeichen, dass eine Andropause als Äquivalent zur Menopause existiert. Aber die Studie weist nach, dass bei Männern ab 35 die Spermienanzahl und -beweglichkeit abnimmt, und genetisch geschädigte Spermien aufgrund vom Altern des Organismus vermehr auftreten. Dies kann zu genetischen Schäden bei Nachwuchs führen.

Auf der Suche nach der großen Liebe: Warum bin ich Single?

Laut Erhebungen geht die überwiegende Mehrheit der Alleinstehenden durchschnittlich 5-6 Jahre solo durchs Leben. Sicherlich gibt es darunter einige, die ihr Singledasein bewusst gewählt haben und mit ihrem Status glücklich sind. Die meisten Singles wünschen sich aber im Grunde ihres Herzens doch einen Partner an ihrer Seite. Am Wollen kann also ihr Partnerschaftswunsch nicht scheitern. Was sind die möglichen Gründe für das unfreiwillige Single-Sein?

  • Mismatch der Geschlechter
    Unsere Gesellschaft, macht es den männlichen und weiblichen Singles nicht leicht, zueinander zu finden. Auf dem Heiratsmarkt ist mittlerweile ein echter Mismatch entstanden: Immer mehr Frauen wollen nicht nur Mutter sein und versuchen, die Berufstätigkeit und die Mutter-Rolle zu verbinden. Sie suchen Männer, die sich an der Familienarbeit beteiligen und notfalls auch ihre Berufstätigkeit reduzieren. Während Männer immer noch nach Frauen Ausschau halten, die in der Familienarbeit ihre Hauptzuständigkeit sehen.

 

  • Keine Lust auf Kompromisse
    Der Wunsch nach beruflicher Verwirklichung spielt eine große Rolle. Sind Studium, Beruf und erste Sprosse der Karriereleiter geschafft, liegt der 30. Geburtstag bereits hinter den Meisten.

 

  • Hohe Ansprüche
    Wir leben in einer Gesellschaft, in der uns suggeriert wird: Das Beste ist gerade gut genug. So wachsen die Ansprüche an einen potenziellen Partner ins Unermessliche, was zu einer wenig kompromissbereiten Partnersuche führt: Entweder ist der Partner perfekt oder man bleibt lieber allein.

 

  • Schlechte Erfahrungen
    Jeder zweite ist Single, weil wieder ein Beziehungsfiasko befürchtet wird. Alte Wunden sollen nicht aufreißen, schmerzvolle Erfahrungen aus der Vergangenheit sollen sich nicht wiederholen. Stattdessen werden vielversprechende Bekanntschaften nur oberflächlich gehalten – als unverbindliche Affären.

 

  • Kein Glück in der Partnerwahl
    Jeder Topf findet seinen Deckel – diesen Spruch predigten uns schon unsere Großmütter. Manche Menschen brauchen etwas länger, bis sie den perfekten Deckel finden. Und das lässt sich nicht beeinflussen – sondern es ist eine reine Glückssache.

Torschlusspanik: Die Heirat mit dem Frosch

Torschlusspanik ist ein schlechter Ratgeber. Denn sie führt oft dazu, dass die Menschen in der Liebe eine Vernunftentscheidung treffen – und nicht eine, die ihnen das Herz weist. Davon zeugt die Umfrage der US-Paartherapeutin Jennifer Gauvian und ihrer Co-Autorin Anne Milford aus dem Jahr 2016. Laut dieser berichtet ein Drittel der 1.000 geschiedenen Frauen, dass sie aus Torschlusspanik geheiratet haben – obwohl sie schon bei der Hochzeit wussten, dass ihr künftiger Ehemann nicht die richtige Wahl war. Sie hofften, dass sich die Beziehung in Laufe der Zeit doch noch als wahre Liebe entpuppt – und standen am Ende vor den Scherben ihrer Beziehung. Was kann man daraus als Fazit ziehen? Lieber den Richtigen später heiraten als den Falschen früher.

Torschlusspanik adé

Torschlusspanik überwindenHat die Torschlusspanik auch Sie erfasst? Zur Panik kann Torschlusspanik erst werden, wenn persönliche (Versagens)Ängste überhandnehmen. Auch wenn diese Ängste verständlich sind – sie schaffen nicht die besten Voraussetzungen für eine entspannte Partnersuche. Die wichtigste Regel heißt hierbei: Ruhe bewahren. Überwinden Sie Ihre Ängste und schaffen Sie optimale Bedingungen für eine neue Liebe. Ob und wann diese kommt? Dazu gehört Zufall und ein Quäntchen Glück – denn Liebe ist nicht planbar. Anbei ein paar Tipps, wie Sie die Torschluss-Panik ablegen und entspannter mit Ihrem Single-Dasein umgehen:

  • Zeit genießen
    Wer sagt, dass eine Partnerschaft und Familie das alleinige Rezept für die Glückseligkeit sind? Gehen Sie in der Partnersuche nicht Notlösungen ein, sondern genießen Sie aktiv die Vorteile des Single-Seins – und die Zeit, in der Sie tun und lassen können, was Ihnen gefällt, ohne Kompromisse einzugehen.

 

  • Selbstzweifel ablegen
    Sie neigen zu Selbstzweifeln und sind der Meinung, dass Sie nicht gut genug sind, um einen Partner fürs Leben zu finden? Beginnen Sie, Ihr Selbstbewusstsein zu stärken – hören Sie auf, sich ständig zu vergleichen und zu kritisieren. Mit weniger Selbstzweifeln werden Sie attraktiver auf Ihr Umfeld wirken – und ziehen leichter potenzielle Partner an. Meiden Sie dabei eine Zeitlang soziale Medien – schließlich posten viele Ihrer Kontakte nur die schönen Seiten des Lebens, was dazu führen kann, dass Sie sich noch schlechter oder einsamer fühlen.

 

  • Motivation überprüfen
    Hinterfragen Sie Ihre Motivation: Wollen Sie wirklich sesshaft werden, eine feste Partnerschaft eingehen, Familie gründen? Oder wird es Ihnen nur von außen eingeredet? Machen Sie sich frei von der Meinung anderer und hören Sie auf sich selbst.

 

  • Beuteschema überprüfen
    Fragen Sie sich, ob Sie sich nicht an Partner binden, die keine Familie wollen? Denn damit verschwenden Sie wertvolle Zeit. Überprüfen Sie auf der anderen Seite Ihre Ansprüche: Suchen Sie nach einem Idealpartner, den es gar nicht gibt? Und ist ein Partner, der nicht alle Ihre Vorstellungen zu hundert Prozent erfüllt, automatisch unpassend?

 

  • Verbissenheit ablegen
    Je verzweifelter Sie auf der Suche sind, desto mehr verändert sich Ihre Ausstrahlung zum Negativen. Ihr Gegenüber merkt schnell, dass es Ihnen nicht darum geht, ihn als Partner zu gewinnen, sondern überhaupt irgendeinen Partner zu finden. Reden Sie beim ersten Date nicht sofort über Kinder und Heiraten – sondern lassen Sie sich Zeit, die Person erst einmal in Ruhe kennenzulernen.

 

  • Tun, als ob
    Was wäre, wenn Sie wüssten, dass Ihr Traumpartner in einem halben Jahr vor Ihrer Tür stehen wird? Überlisten Sie Ihren Verstand und tun so, als ob Sie wüssten, dass es so kommt. Diese Technik ermöglicht Ihnen, die Gegenwart in vollen Zügen zu genießen. Der Glaube an ein glückliches Ende erzeugt Leichtigkeit und Lebensfreude.

 

  • Therapeutische Hilfe
    Wenn Sie mit der Zeit merken, dass Sie dazu nicht in der Lage sind, Ihre Torschlusspanik selbst zu überwinden, nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch. Es gibt zahlreiche Coaches und Praxen, die mit diesem Thema bestens vertraut sind und individuelle Lösungsmöglichkeiten anbieten – zum Beispiel gegen Verlustangst oder mangelndes Selbstbewusstsein, die hinter der Torschlusspanik stecken können.

Was bleibt am Ende zu sagen? Sicherlich ist die Gründung einer Familie und das Kinderkriegen zeitlich limitiert. Aber für eine wahre, große Liebe ist es im Leben nie zu spät.

Verlustangst: Die Angst im Kopf – und im Herzen

Verlustangst & Klammern in der BeziehungSteigende Panik im Bauch, wenn sich der Partner verspätet und nicht wie ausgemacht nach Hause kommt. Ein misstrauischer Seitenblick, wenn er sich mit einem netten Gegenüber etwas länger unterhält. Eine unerträgliche Enge in der Brust, wenn er mal länger nicht auf eine WhatsApp antwortet.

All dies sind Szenen einer Beziehung – bei der die Angst, den Partner zu verlieren, Regie führt. Solange die Angst im Rahmen bleibt, bedeutet es keinen Untergang für die Beziehung. Schließlich ist die Angst, den geliebten Partner zu verlieren, sicherlich vielen Menschen nicht fremd. Wenn die Angst aber droht, Sie aufzufressen, Sie beherrscht, Sie lahmlegt – dann spricht man von einer extrem ausgeprägten Verlustangst, einer Angststörung.

Verlustangst – eine weite Reise zurück in die Vergangenheit

Die Angst ist psychologisch gesehen eigentlich etwas Positives, sie fungiert als eine sehr wichtige Schutzfunktion der Psyche. Sie hat einen evolutionären Ursprung und ist nützlich und gut, solange sie uns vor gefährlichen Situationen warnt. Wenn sie eine extreme Form der Verlustangst annimmt, ist sie schädlich – für den Betroffenen und die Beziehung.

Die Verlustangst hat fast immer ihren Ursprung in der Kindheit. Denn wie man mit menschlicher Nähe umgeht, ist ein Prozess, der bereits am ersten Tag unseres Lebens beginnt. Dabei sind die familiären Verhältnisse prägend – und wenn sie nicht hilfreich und unterstützend waren, wirkt sich dies auf das restliche, spätere Leben negativ aus. So gibt es traumatische Erlebnisse oder Missstände in der Kindheit, die die Entstehung der Verlustangst begünstigen:

  • Trennung der Eltern, durch die ein Elternteil keinen Kontakt mehr zum Kind hatte
  • Tod der nahstehenden Personen, der nicht verarbeitet wurde
  • Angstbereitschaft in der Familie
  • Depressionsneigung in der Familie
  • Mangel an allgemeinen Bewältigungsthemen (wie Trauerritualen)
  • Erziehung zur Unselbständigkeit
  • Erziehung zu einem schlechten Selbstwertgefühl
  • Hilflosigkeit der Bezugspersonen
  • Bezugspersonen zeigen keine Gefühle
  • Vernachlässigung durch einen oder beide Elternteile

Schon im Säuglingsalter ist der Mensch mit Verlustangst konfrontiert. Wenn der Säugling merkt, dass er unabhängig von der Mutter existiert, fürchtet er, sie zu verlieren. Er hat noch nicht gelernt, dass das kurze Verschwinden der Mutter keinen endgültigen, dauerhaften Verlust bedeutet – diese frühkindliche Trennungsangst ist normalerweise bis zum dritten Lebensjahr ausgeprägt und verschwindet dann allmählich. Mit den Jahren wächst dann das Gefühl der eigenen Stärke und Unabhängigkeit weiter – und damit auch die Fähigkeit, Verluste zu überstehen, mit Ängsten fertig zu werden. Vorausgesetzt, die Menschen wachsen in einer optimalen Umgebung auf. Eine schwere Kindheit hingegen kann verhindern, dass sich das Urvertrauen bildet. Frühe, unverarbeitete Verluste, Zurückweisung, Gewalt und andere traumatische Erlebnisse führen dann zu der inneren Überzeugung, nicht liebenswert zu sein, niemandem vertrauen zu können.

Übrigens: Nicht immer entsteht ein Trauma durch schlimme Umstände. Manchmal basiert es auf Missverständnissen, indem wir nur annehmen, dass die Eltern uns verlassen wollten. Dem kann eine ehrliche, offene Kommunikation mit Kindern und eine genaue Beobachtung ihrer Gemütslage sowie ihrer Reaktionen entgegensteuern.

Verlustangst und ihre vielen Gesichter

Das Typische an der Verlustangststörung ist, dass sie eigentlich keinen konkreten Bezug zu einer bestimmten realen Gefahr hat. Sie ist in den meisten Fällen grundlos, entsteht nur im Kopf des Betroffenen. Die Verlustangst äußert sich nicht eindeutig durch ein einziges, klar definiertes Symptom. Sondern durch verschiedene Anzeichen, die wahlweise einzeln und gemeinsam auftreten können:

  • Starkes Klammern
  • Extreme, grundlose Eifersucht
  • Festhalten an Freundschaften/Partnerschaften, die einem nicht guttun
  • Ausgeprägtes Kontrollverhalten
  • Angst vor dem Alleinsein
  • Vermeiden von Nähe in Beziehungen (Bindungsangst)
  • Starkes Bedürfnis nach Bestätigung durch den Partner
  • Pessimistische Sicht auf Beziehungen
  • Selbstzweifel
  • Seelische Symptome wie Depressionen
  • Körperliche Symptome wie Herzrasen, Essstörungen, Schlafstörungen, Gedächtnisschwäche

Wie schon gesagt, äußern sich diese Symptome je nach Charakter und Persönlichkeit. Doch gibt es auch geschlechtsspezifische Unterschiede? Äußert sich die Verlustangst bei Männern und Frauen auf unterschiedliche Weise? Da in unserer Gesellschaft für die Männer immer noch die Rolle der Starken vorgesehen ist, neigen sie vermutlich etwas weniger zum ängstlichen, klammernden Verhalten, als vielmehr zu Bindungsängsten, die sie als der aktive Part ausleben, indem sie sich von vorne herein den verbindlichen Beziehungen entziehen – eben aus Angst vor einer Trennung, einem Verlust. Frauen identifizieren sich wiederum vermutlich mehr mit der schwächeren Rolle – und zeigen eher ein unterwürfiges, klammerndes Verhalten in den Partnerschaften.

Der Blick in die ängstliche Seele

Angst den Partner zu verlierenDie Angstgeplagten unterscheidet von den anderen Menschen eigentlich nicht unbedingt die Angst vor dem Verlust – sondern die Tatsache, wie sie den Verlust bewerten. Während Menschen ohne extreme Ängste Verluste als dazugehörig im Leben akzeptieren, ist ein Verlust für die Betroffenen existenziell, oft die schlimmste Vorstellung.

Sie reagieren auf die vermeintliche Bedrohung so, wie es Menschen seit Urzeiten schon immer gemacht haben: Entweder, indem sie sich kampfbereit zeigen oder die Flucht ergreifen. Somit handeln angstgeplagte Menschen je nach Charakter und eventuell Geschlecht manchmal aggressiv und fordernd – indem sie häufig viele Liebesbeweise einfordern, ihre Eifersucht offen ausleben oder den Partner übermäßig kontrollieren. Andere hingegen unterwerfen sich vor Angst dem Partner vollkommen, versuchen, auf jeden seiner Wünsche einzugehen und alles richtig zu machen, damit er sie nicht verlässt. Die Angst, den Partner zu verlieren, wird dabei auf sich selbst projiziert – viele Betroffene leiden unter einem schwachen Selbstwertgefühl, halten sich für nicht liebenswert.

Für den Partner ist das Angstverhalten sehr schwer zu ertragen. Er muss immer wieder erleben, dass seine Liebe nicht ausreicht, wird ständig mit der Angst und dem Misstrauen des Anderen konfrontiert und kann diese doch nicht beeinflussen. Auf das bedrängende, angsterfüllte Verhalten kann er nur mit Selbstschutz reagieren – und geht auf Distanz. Ein Teufelskreis entsteht: Je stärker der Betroffene klammert, vorwirft, kontrolliert – desto mehr entzieht sich ihm sein Partner. So wird der Betroffene wiederum in seinen Ängsten bestätigt, eine selbsterfüllende Prophezeiung tritt ein.

Dass eine Beziehung voller Vorwürfe, Ängste, Aggressionen und Misstrauen kein Ort der Harmonie ist, versteht sich von alleine. Schließlich erfährt der Partner immer wieder, dass die Betroffenen nicht glauben, dass er sie wahrhaftig liebt. So geht nicht nur er, sondern auch seine Liebe auf Distanz – bis sie endgültig erlischt. Und mit ihm auch die Partnerschaft.

Verlustangst verlieren – Liebesqualität gewinnen

Verlustangst überwindenAuch wenn es erst einmal seltsam klingt: Etwas zu verlieren, kann manchmal ein wirklich befreiendes Gefühl sein – zum Beispiel, wenn es gelingt, die Verlustangst zu verlieren. Diesen schweren Ballast abzuwerfen, der den Betroffenen und Ihren Beziehungen schadet.

Sicherlich wird es kein schneller und einfacher Weg sein – denn die Verletzungen, die dieser Angst zugrunde liegen, sitzen tief und müssen erst einmal ins Bewusstsein befördert und verarbeitet werden. Wenn Sie die Symptome der Verlustangst bei sich erkannt haben, sollen Ihnen die nachfolgenden Tipps helfen, mit diesem quälenden Gefühl fertig zu werden:

 

  • Erkenntnis

Der erste Schritt zu einer Besserung ist das Bewusstwerden über Ihre Angst. Dies ist natürlich nicht immer einfach – denn Verlustängste zeigen sich nicht oft direkt, die Symptome kann man nicht sofort der Verlustangst zuordnen. Beobachten Sie sich genau, gestehen Sie sich Ihre Verlustangst ein und machen Sie dadurch den Weg frei für die Suche nach den Ursachen.

 

  • Selbstliebe

Wenn Sie unter Verlustangst leiden, ist bei Ihnen vermutlich ein geringes Selbstwertgefühl vorhanden. Sie müssen erst lernen, sich selbst zu lieben. Schaffen Sie negative Gedanken über sich selbst ab, behelfen Sie sich mit positiven, selbstbejahenden Affirmationen wie zum Beispiel:

  • Ich kann mir und anderen verzeihen
  • Ich verdiene es, Menschen in meinem Leben zu haben, die mich lieben
  • Ich bin bereit, mein Leben zu ändern

 

  • Ängste in Worte fassen

Es ist wichtig, seine Ängste nach außen zu tragen und zu verarbeiten, statt sie zu unterdrücken. So kann es hilfreich sein, dass Sie Ihre negativen Gedanken und Ängste in Worte fassen und aufschreiben. Auf diese Weise kann man sehr schnell feststellen, ob die Ängste irrational sind und eigentlich gar keinen realen Anlass haben. Natürlich ist auch ein offenes, ehrliches Gespräch mit dem Partner ein weiterer Schritt zur Besserung.

  • Entspannung

Entspannungsübungen sind bei Ängsten auch sehr wirkungsvoll – zum Beispiel Atemübungen oder Meditation.

  • Fokus anders setzen

Konzentrieren Sie sich auf die positiven Aspekte in der Partnerschaft: Was lieben Sie besonders an Ihrem Partner? Was zeigt Ihnen, dass er Sie liebt? Sie müssen trainieren, nach den Beweisen für die Liebe Ihres Partners zu suchen – statt nach den Hinweisen für einen möglichen Verlust.

  • Eigenständig werden

Machen Sie Ihr Glück nicht nur von Ihrem Partner abhängig. Suchen Sie sich ein Hobby, das Sie ausfüllt und das Ihnen auch ohne Ihren Partner Spaß macht.

  • Ursachenforschung

Suchen Sie nach den Ursachen Ihrer Verlustangst: Was waren die ersten Verlusterfahrungen? Welche Einstellungen sind daraus entstanden? Sind diese Einstellungen noch auf Ihr heutiges Leben übertragbar?

  • Therapeutische Hilfe

Wenn Sie mit der Verlustangst nicht allein fertig werden, suchen Sie sich einen Therapeuten oder psychologischen Berater. Die Ziele der Therapie sind hauptsächlich Vertrauensbildung, Realitätsprüfung, Verständnis für sich selbst sowie konkrete Verhaltensänderungen. Sie können sich natürlich auch unter Gleichgesinnte begeben – suchen Sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe.

 

Ganz gleich, ob Sie mit eigener Kraft oder mit therapeutischer Hilfe gegen die Verlustangst ankämpfen – eines müssen Sie sich vor Augen führen: Sie sind in Beziehungen nicht hilflos ausgeliefert, sondern können diese beeinflussen. Sich nämlich so zu verhalten, dass manche Menschen Sie schätzen und freiwillig Ihre Nähe suchen.

Es braucht Zeit und Ehrlichkeit zu sich selbst, den heilsamen Prozess anzutreten, Vertrauen zu sich selbst und der Umwelt langsam aufzubauen – aber für diese Mühe werden Sie mit mehr Glück und Zufriedenheit in den Beziehungen belohnt. Und mit echter Liebe – im Kopf und im Herzen.

Emotionale Erpressung: So entkommen Sie der Gefühlsfalle

emotionale erpressung - partner steuertHaben Sie in Ihrer Partnerschaft oft das Gefühl, dass Ihr Partner unsichtbare Fäden zieht, mit denen er Sie nach seinem eigenen Belieben lenkt? Dass Sie nicht mehr Ihre Bedürfnisse und Wünsche leben, sondern die des Partners? Dass Ihr Handeln und Fühlen permanent durch Schuldgefühle Ihrem Partner gegenüber gesteuert ist? Dann sind Sie vermutlich eine Marionette geworden – im Spiel der emotionalen Erpressung seitens Ihres Partners.

Emotionale Erpressung – die Definition

Unter emotionaler Erpressung versteht man, wenn ein Mensch versucht, einen anderen über Gefühle zu manipulieren: Soweit die sachliche Definition. Wie aus dieser kurzen Beschreibung deutlich wird, gehören bei emotionaler Erpressung – wie bei jedem guten Marionettenspiel – immer zwei Akteure dazu: Der eine, der die Fäden zieht und die Marionette lenkt. Und der andere, der sich wie eine Marionette lenken lässt. Beide sind voneinander gewissermaßen abhängig und gestalten das Spiel gemeinsam.

Zwei Akteure in einem Stück

Emotionale Erpressung - Zwei Akteure in einem StückDer Erpresser will vor allem eines erreichen: Schuldgefühle beim Erpressten zu wecken, ihm ein schlechtes Gewissen zu machen, sodass er sich verpflichtet fühlt, gegen seinen Willen zu handeln und die Erwartungshaltung des Erpressers zu erfüllen.

Auch wenn der Erpresser auf den ersten Blick als der Stärkere wirkt, der die Fäden in der Hand hält, verbirgt sich hinter seiner Stärke doch eine Schwäche: Trennungsangst, mangelndes Selbstbewusstsein, Liebessucht oder und ein Unvermögen, seine Bedürfnisse auf eine reife Art und Weise zu kommunizieren. Das Repertoire des Erpressers, seinen Partner zu manipulieren und Druck auf ihn auszuüben, ist vielfältig und kann – je nach Situation – unterschiedlich eingesetzt werden:

  • Negative Vergleiche mit anderen Personen
  • Liebesentzug
  • Drohungen, dass es ihm schlecht gehen wird, wenn er seine Wünsche nicht erfüllt
  • Androhung von Trennung oder Selbstmord
  • Erinnerungen an Verpflichtungen und Gefälligkeiten
  • Durch Schweigen Schuldgefühle erzeugen
  • Wutausbrüche
  • Beschimpfen und Missachtung des Anderen
  • Vorwürfe an den Partner, egoistisch und dickköpfig zu sein
  • Wahrheitsverdrehen
  • Der leidende Blick
  • Isolation von Freunden und Familie

Der Erpresste wird mit typischen Aussagen konfrontiert und manipuliert wie zum Beispiel:

  • Wie konntest du mich nur so behandeln.
  • Ich bin schwer enttäuscht von dir.
  • Du musst schon wissen, ob du heute Abend lieber ausgehst.
  • Wenn du mich lieben würdest, dann würdest du dich nicht so verhalten.
  • So unfair, wie du dich mir gegenüber verhältst.
  • Na ja, dann mache ich es eben selbst.
  • Das habe ich nie so gesagt.
  • Der XY bringt seiner Frau immer Blumen.

Was passiert mit dem Erpressten? Die geschilderten Verhaltensweisen und Äußerungen des Erpressers haben auf den Erpressten eine enorme Wirkung. Er verspürt Schuldgefühle und setzt auf Vermeidungsstrategie: Er nimmt sich zurück, ist gefügig, gibt bei Konflikten nach. Das schlechte Gewissen reift ihn ihm gemeinsam mit dem falschen Glauben, dass er seinem Partner gegenüber etwas schuldig ist.

Er katapultiert sich immer tiefer in die Opfer-Rolle. Doch je mehr das Opfer in die Defensive geht, desto vehementer wird der Täter:  Die Erpressung kann im Laufe der Zeit immer extremere Züge annehmen, der Erpresser kann zu immer heftigeren Mitteln greifen wie eigene Vernachlässigung, starke Verletzungen bis hin zum Suizidversuch.

Schließlich passiert das Paradoxe: Obwohl der Erpresser beim Erpressten seinen Willen durchgesetzt und seine Wünsche erfüllt bekommen hat, verliert er mit jedem Nachgeben des Opfers ein Stückchen Respekt vor ihm, hält ihn am Ende für schwach, kann ihm gegenüber keinen Respekt mehr empfinden.

Ein unendlicher Teufelskreis wird in den Gang gesetzt, beide sind gefangen in ihren Rollen, ihrer Gefühlsfalle. Übrigens – auch bei den Erpressten gibt es ein typisches „Psychogramm“: Übermäßiges Bedürfnis nach Lob, eine ausgeprägte Angst vor Wut, ein starkes Harmoniebedürfnis, ein hohes Maß an Selbstzweifeln, eine starke Tendenz, sich für das Leben anderer verantwortlich zu fühlen. Diese Eigenschaften lassen Sie leichter zum Opfer werden.

Raus aus der Gefühlsfalle!

Gefühlsfalle - emotionale ErpressungEin Ausstieg aus der emotionalen Erpressung gestaltet sich nicht einfach. Zum einen, weil die emotionale Erpressung ein schleichender Prozess ist: Der Täter beginnt erst einmal mit harmloseren Versuchen der emotionalen Erpressung, die sich dann aber bei entsprechender Gegenreaktion des Opfers weiter steigern und intensivieren.

Zudem ist hier die Fremd- und Eigenwahrnehmung stark verschoben. Dem Erpresser ist gar nicht bewusst, dass er den anderen erpresst. Er sieht die Partnerschaft durch seine Erpresser-Brille und  fühlt einen permanenten Mangel: Mangel an Liebe, Mangel an Aufmerksamkeit, Mangel an Hilfe und Unterstützung. Wenn der Partner bei jedem Fingerschnippen auf seine Wünsche eingeht und versucht, diese umgehend zu erfüllen, fühlt sich der Erpresser machtvoll, zufrieden. Zumindest für eine gewisse Zeit. Und auch das Opfer merkt meistens lange Zeit nicht, dass etwas in der Beziehung nicht stimmt: Nämlich, dass es emotional erpresst wird. Erst mit der Zeit nimmt es möglicherweise Anzeichen wahr, die für ein seelisches oder körperliches Ungleichgewicht sprechen.

Schuldgefühle

Das Opfer fühlt sich ständig schuldig, wenn es seinen eigenen Willen gegen den Willen des Partners stellen möchte.

Unter Druck

Das Opfer fühlt sich in der Beziehung unter Druck, weil sich der Erpresser-Partner dominant in den Vordergrund stellt.

Selbstzweifel

Das Opfer wird ständig mit anderen verglichen, hat das Gefühl, nicht genug zu sein.

Konfliktvermeidung

Das Opfer bemüht sich stets, Konflikten aus dem Wege zu gehen, um eine schlechte Grundstimmung in der Partnerschaft zu vermeiden.

Wut

Das Opfer fühlt sich oft grundlos wütend auf den Partner. Emotionale Erpressung kann zu Aggressionen oder gar Gewaltfantasien führen.

Körperliche Beschwerden

Das Opfer leidet unter wiederkehrenden Kopf- oder Magenschmerzen, Schlafstörungen, ist gereizt, verspürt gedrückte Stimmung.

Fühlen auch Sie sich wie eine Marionette Ihres Partners? Nehmen auch Sie bei sich die Zeichen der emotionalen Erpressung und ihre Folgen wie Wut, Niedergeschlagenheit, Schuldgefühle oder Selbstzweifel wahr? Dann ist es höchste Zeit, die unsichtbaren Fäden zu durchtrennen, den Teufelskreis zu durchbrechen.

Die gute Nachricht ist: Mit dem Erkennen der Anzeichen haben Sie schon den ersten Schritt getan: nämlich zur Bewusstwerdung. Jetzt können Sie den nächsten Schritt wagen – zum Handeln.

Raus aus der Beziehung?

Eine Beziehung, die durch emotionale Erpressung geprägt ist, ist nie gesund. Nicht für das Opfer, das in der Beziehung seine Identität nicht leben kann, sein ICH nicht frei entfalten kann. Aber auch nicht für den Erpresser, der auf eine ungesunde Art und Weise seine Bedürfnisse auf Kosten des Partners auslebt und somit aber auch keine Chance hat, eine erwachsene Partnerbeziehung auf Augenhöhe zu führen.

Die Beziehung zu verlassen, sich vom manipulativen Partner zu trennen, kann ein möglicher Ausweg sein. Aber viele Beziehungen haben trotz emotionaler Manipulation dennoch eine wertvolle Grundlage: starke Liebe und Zuneigung, einen gemeinsamen Freundeskreis, gemeinsame Erlebnisse, Hobbies oder gar gemeinsame Kinder. Dann lohnt es sich, die Beziehung nicht sofort zu beenden, sondern an ihr zu arbeiten. Mögliche Wege aus der emotionalen Erpressung könnten sein:

  • Objektiver Blick

Sprechen Sie mit Freunden und Verwandten über Ihre Sorgen und Beziehungszweifel. Oft hilft ein Blick von außen auf die Beziehung, um diese klarer zu sehen und Missstände zu identifizieren.

  • Gespräch mit dem Partner

Sprechen Sie beim Partner aus, was Sie bewegt. Beschreiben Sie, wie Sie sich fühlen, verwenden Sie möglichst ICH-Botschaften, DU-Botschaften werden schnell als Anklage und Vorwurf verstanden und ziehen sofortige Gegenwehr nach sich.

  • Entwickeln Sie Selbstbewusstsein

Legen Sie sich einen wirksamen Schutzschild gegen Erpressung an: gesundes Selbstbewusstsein. Besinnen Sie sich auf Ihr Selbstwertgefühl, schützen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse und trauen Sie sich, diese auf die gleiche Stufe wie die Bedürfnisse Ihres Partners zu stellen.

  • Souveräner Auftritt

Überprüfen Sie die eigene Körpersprache. Gebeugte Haltung signalisiert Unterwürfigkeit, aufrechte Haltung hingegen Stärke und Selbstbewusstsein – ein wertvoller Schutz gegen Manipulationsversuche.

  • Nein sagen

Da die manipulative Erpressung mit gegenseitiger Verstrickung von Täter und Opfer einhergeht, ist es wichtig, dass Sie Ihr Verhalten und Ihre Kommunikation ändern, sich trauen auch mal nein zu sagen: „Nein, das sehe ich anders. Nein, ich fühle mich von dir unter Druck gesetzt. Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen“. Mit einer konsequenten Verhaltensänderung beziehungsweise Änderung Ihrer Kommunikation durchbrechen Sie die schädlichen Verhaltensmuster in Ihrer Beziehung. Der Täter kann nicht mehr in gewohnter Weise agieren, da er erkennt, dass er damit nicht mehr zum Erfolg kommt. Somit ist auch er gezwungen, neue Verhaltensweisen in der Beziehung zu entwickeln.

  • Distanz

Eskaliert die Situation, hilft nur noch Distanz. Beenden Sie auf vernünftige Weise das Gespräch, verlassen Sie die Wohnung.

  • Haben sie Geduld

Die schweren emotionalen Verstrickungen lassen sich vielleicht nicht mit einem ersten Versuch ändern. Haben Sie Geduld und lassen Sie sich durch Rückschläge nicht entmutigen. Tiefgreifende Verhaltensänderungen brauchen Zeit – und die brauchen Sie gleichermaßen wie Ihr Partner.

  • Professionelle Hilfe

Manchmal sind die emotionalen Abhängigkeiten, die Verwirrung und die Angst so stark, dass Sie nicht allein weiter kommen. Suchen Sie sich professionelle Hilfe von einem erfahrenen Psychotherapeuten, der Kommunikationsstile und Verhaltensmuster offen legen und vermitteln kann, wie einer seine Bedürfnisse dem anderen gengenüber angemessen äußern kann. Ganz gleich, ob Sie allein oder mit Ihrem Partner die Beratungsstelle aufsuchen.

  • Trennung/Scheidung

Wenn alle Versuche erfolglos verlaufen sind, und die Beziehungsbeteiligten ihren Weg aus der emotionalen Erpressung nicht herausfinden, ist der einzige Ausweg die Trennung bzw. Scheidung.

Ende gut – nichts gut?

emotionale abhängigkeit überwindenIn besonders schweren Fällen von emotionaler Abhängigkeit bedeutet das Ende der Beziehung noch lange nicht das Ende der emotionalen Erpressung. Der verlassene Erpresser schlüpft erneut in seine Opfer-Rolle und greift zu den gewohnten Mustern: der ganzen Klaviatur der emotionalen Erpressung. Möglicherwiese wirft er Ihnen vor, ihn im Stich gelassen zu haben. Möglicherweise appelliert er an Ihr Pflichtbewusstsein, ein guter Partner in guten und in schlechten Zeiten zu sein. Möglicherweise droht er an, sich etwas anzutun.

Bleiben Sie konsequent, steigen Sie nicht mehr in das Spiel als Marionette ein, lassen Sie sich nicht mehr in die Spirale der Schuldgefühle hineinziehen. Solange die Trennung halbwegs fair abgelaufen ist, haben Sie sich nichts vorzuwerfen. Lassen Sie sich auch nicht dazu hinreißen, den verlassenen Partner trösten zu wollen.

Die Psychologin Wiebke Neberich ist der Meinung: „Sich zu trennen und den Ex-Partner zu trösten, macht es für beide Partner nur noch schwerer, sich voneinander zu lösen. Beide müssen sich nach der Trennung erst einmal wieder auf ihr eigenes Leben konzentrieren und sich daran gewöhnen, dass der Ex-Partner eben nicht mehr der erste Ansprechpartner bei emotionalen Krisen ist.“

Wenn der Ex-Partner nach wie vor die gewohnten Verhaltensmuster der emotionalen Erpressung anwendet, sollten Sie es nicht scheuen, eine Kontaktsperre einzuleiten. Denn so heftig Ihnen dieses letzte Mittel auch vorkommen mag: Mit dieser konsequenten Handlungsweise tun Sie am Ende Ihrem Partner einen Gefallen. Sie ermöglichen ihm, sich von Ihnen zu lösen und machen für ihn den Weg frei für einen neuen Partner, der besser zu ihm passt. Damit der quälende Marionetten-Tanz zwischen Ihnen Beiden endlich keine neue Vorstellung mehr findet.

Schmetterlinge im Bauch: Was sie sind und woher sie kommen


Der Frühling kommt: Die Sonne strahlt um die Wette, die bunten Blumen sprießen in den Beeten, die Schmetterlinge flattern als Frühlingsboten durch die Luft. Und manchmal, bei den Frischverliebten, verirren Sie sich auch in die Magengegend.

Den Schmetterlingen auf der Spur

Wer kennt nicht die Redewendung „Schmetterlinge im Bauch“ als Metapher für den Zustand des Verliebt-Seins – wenn wir ein eigenartiges Kribbeln im Magen verspüren, gepaart mit Herzrasen, schweißnassen Händen und allgemeiner Verwirrung.

Den Begriff „Schmetterlinge im Bauch“ prägte die amerikanische Schriftstellerin Florence Converse (1871 – 1967). In ihrem Buch „House of Prayer“ sprach sie als erste von „butterflies in the stomach“, direkt übersetzt als „Schmetterlinge im Magen“. Der Ausdruck erfreute sich sehr schnell großer Beliebtheit und verbreitete sich immer weiter. Bis er schließlich Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland ankam und auch heute noch in unserem Vokabular als feste Redewendung erhalten geblieben ist.

Schmetterlinge im Bauch: Der verrückte Hormon-Cocktail

Die Liebe kommt zwar in der Umgangssprache von Herzen und geht durch den Magen – aber eigentlich entsteht sie im Kopf, denn das Gehirn spielt eine entscheidende Rolle beim Verliebt-Sein. Im Gehirn werden Hormone gebildet – und diese übernehmen bei Verliebten die Regie, und versetzen den gesamten Körper in einen wahren Ausnahmezustand mit zahlreichen typischen Symptomen:

  • Zwanghafte Gedanken und Fixierung auf das Objekt der Begierde
  • Veränderte Wahrnehmung
  • Unkontrollierbares Verlangen
  • Schlaf- und Appetitlosigkeit 
  • Energie-Geladenheit
  • Erhöhte sexuelle Lust
  • Herzrasen, erhöhter Puls, verstärktes Schwitzen

Nicht alle, aber viele dieser Anzeichen muten wie Symptome einer Krankheit an. Und so ist es kein Wunder, dass Verliebte gerne mal als Liebeskranke bezeichnet werden – wie auch Platon seinerzeit schon erkannt hatte: „Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit.“  

Verschiedene Studien belegen, dass bei den Verliebten und Zwangsneurotikern der Serotoninspiegel 40 Prozent unter dem Normalwert liegt – aus biochemischer Sicht sind Verliebte also psychisch krank. Darüber hinaus sind Veränderungen, die im Gehirn bei einer Sucht und bei der Verliebtheit passieren, nahezu identisch.

Aber welche Zutaten mischen bei dem verrückten Hormon-Cocktail der Verliebten mit?

  • Adrenalin und Noradrenalin

Maßgeblich verantwortlich für die Verliebtheit sind die Aufputscher-Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Adrenalin wird in der Nebenniere produziert, Noradrenalin im Nebennierenmark. Zusammen lassen sie unser Herz höherschlagen, bringen die Hände zum Schwitzen. Biologisch gesehen sind dies Symptome wie bei einer Panik-Attacke. Dass wir bei dieser körperlichen Reaktion nicht aus lauter Angst das Weite suchen, ist das Verdienst weiterer Hormone, die nebenbei wirken: Während Adrenalin und Noradrenalin für die Aufregung und Spannung zuständig sind, sorgen Oxytocin, Dopamin und Serotonin für die Entspannung – und dafür, dass wir das Verliebt-Sein als positiven Stress wahrnehmen. Übrigens: Dadurch, dass diese Glückshormone über Blutbahnen in den Bauchraum weitergeleitet werden, fühlt es sich für uns so an, als hätten wir Schmetterlinge im Bauch.

  • Serotonin

Das Glückshormon Serotonin sorgt für gute Laune. Paradoxerweise ist bei Verliebten der Serotonin-Spiegel sehr niedrig, entspricht ungefähr dem von Menschen mit einer Zwangserkrankung. Der Serotonin-Mangel bewirkt, dass die Gedanken nur um den geliebten Menschen kreisen. Gleichzeitig aber sorgt die niedrige Serotoninkonzentration für Niedergeschlagenheit und Traurigkeit – zum Beispiel, wenn der geliebte Mensch nicht in unserer Nähe ist.

  • Dopamin

Bei Verliebten ist die Konzentration des Glücklich-Machers Dopamin im Belohnungszentrum des Vorderhirns sehr hoch. Dieser Neurotransmitter aktiviert das Belohnungssystem, verstärkt die positiven Gefühle und die Euphorie. Er gibt dem Körper vor, glücklich zu sein macht ihn „süchtig“ nach seinem Liebesobjekt. Der Verliebte befindet sich in einem Zustand, der einem Drogenrausch gleicht. Und von dieser Droge kann er nicht genug bekommen.

  • Oxytocin

Oxytocin wird gerne auch als Kuschelhormon bezeichnet. Es wird im Hypothalamus gebildet und wirkt im Gehirn ebenfalls auf das Belohnungssystem. Bei Verliebten wird es verstärkt ausgeschüttet – zum Beispiel bei Berührungen. Das Oxytocin fördert Vertrauen zueinander sowie die emotionale Bindung und sorgt dafür, dass die ausgelösten Gefühle speziell an eine Person gekoppelt werden.

  • Testosteron

In der Anfangszeit einer Beziehung sinkt der Testosteronspiegel bei Männern – sie werden dadurch ausgeglichener. Bei Frauen hingegen steigt er an – und mit ihm auch die sexuelle Lust. Vermutlich gleichen sich in dieser Phase die chemischen Prozesse zwischen den Geschlechtern an, damit Männer und Frauen leichter zusammenfinden.

Der Konflikt zwischen Herz und Verstand

Parallel zu der erhöhten Aktivität im Belohnungssystem beobachteten Wissenschaftler im präfrontalen Kortex bei Verliebten eine niedrigere Aktivität als zu normalen Zeiten. Der präfrontale Kortex ist immer dann beteiligt, wenn es darum geht, etwas sorgfältig zu planen oder abzuwägen. Aufgrund dieser Erkenntnisse scheint es so, dass es schwierig ist, während der Verliebtheitsphase sinnvolle Pläne zu schmieden oder realistische Urteile zu fällen. Verliebte haben Augen nur für den neuen Partner, sehen ihn in den rosigsten Farben – und merken vielleicht gar nicht, dass er vom Charakter her gar nicht passt. Wie sollte dann die Handlungsempfehlung für Verliebte lauten? Im Rausch der ersten Verliebtheit keine wichtigen Entscheidungen treffen, die das Leben verändern könnten: ein Kind zeugen, einen Umzug in eine andere Stadt bzw. Land zu planen oder zu heiraten.

Stattdessen ist etwas Geduld angesagt: Die Aktivität im präfrontalen Kortex wird wieder erhöht, wenn die Verliebtheit länger dauert und etwas abflaut. Erst dann öffnen sich unsere Augen für die Realität, erst dann können wir wieder vernünftig entscheiden, planen und urteilen. Schließlich basieren gute Entscheidungen darauf, dass wir sie mit Herz und Verstand treffen.

So lockt man die Schmetterlinge

Spielt aber die Zeit davor eine wichtige Rolle – bevor die Schmetterlinge im Bauch kommen? Bricht die Verliebtheit einfach wahllos über uns wie ein Hurrikan ein, oder gibt es im Vorfeld doch bestimmte Vorbedingungen, damit sich zwei Menschen ineinander verlieben? Es gibt scheinbar Voraussetzungen, die die Verliebtheit begünstigen:

  • Das äußere Erscheinungsbild

Der Evolutionsbiologe Karl Grammer fand heraus, dass Mann und Frau binnen zehn Sekunden aufgrund von äußerlichen Merkmalen entscheiden, ob der Andere als Partner in Frage kommt. Männer legen Wert verstärkt auf den physischen Bereich, Frauen auf den psychischen Bereich.

  • Gerüche

Man muss sich riechen können – der Eigengeruch des Partners kann anziehend wirken oder eben dazu führen, dass ein anfängliches Abenteuer nur ein Abenteuer bleibt.

  • Bewunderung für die andere Person

Diese kann auf einem einheitlichen Lebensentwurf, Arbeitsamkeit, gut bewältigten Schwierigkeiten, ähnlichen Lebenszielen oder der Fähigkeit, andere zu verstehen, basieren.

  • Biochemie

Nach Helen Fisher, der US-amerikanischen Anthropologin, bestimmt die Biochemie, ob sich zwei Menschen ineinander verlieben. Ihrer Meinung nach ist es zwar wichtig, dass wir bezüglich des sozialen Hintergrunds mit unserem Partner harmonieren. Was aber die hormonelle Persönlichkeit angeht, fühlen wir uns von Menschen angezogen, die ein anderes, uns ergänzendes biochemisches Profil besitzen.

Nach Helen Fisher kann man übrigens auch der Verliebtheit auf die Sprünge helfen. Wer sich verlieben möchte, sollte ganz einfach seine Dopamin-Ausschüttung aktivieren. Denn der Körper befindet sich sowohl bei Verliebtheit als auch in gefährlichen Situationen in einem Erregungszustand – und kann die beiden Zustände nicht gut unterscheiden. So empfiehlt es sich, mit seiner Angebeteten gleich zu Anfang aufregende Dinge zu unternehmen wie zum Beispiel einen Ausflug in den Seilgarten oder einen Fallschirmsprung.

Die nächste Station nach der Verliebtheit: die Liebe

Durch das extreme Spiel der Hormone wäre das Verliebt-Sein auf Dauer für den Körper zu stressig und anstrengend. Deswegen verändert sich mit der Zeit die Beziehung zum Partner, die erste Verliebtheit flacht nach 3 Monaten bis 3 Jahren ab – der Adrenalin- und Noradrenalin-Spiegel regulieren sich wieder im unteren Bereich. Verliebtheit wird abgelöst durch Liebe – laut Wissenschaftlern zwei ziemlich unterschiedliche Gefühlswelten.

Neurologisch und physiologisch betrachtet spielen sich diese beiden Gefühle in vollkommen anderen Hirnregionen ab und sind auch mit ganz verschiedenen Botenstoffen verbunden. Die Verliebtheit ist ein evolutionärer Ausnahmezustand, der mit Sucht und Wahn vergleichbar ist. Es kommt hauptsächlich zu Aktivitäten in der Stammhirnregion: Adrenalin, Dopamin, etc. werden ausgeschüttet. Liebe ist das, was folgt: Nämlich im Großhirn, im Vorderlappen. Die leisen Botenstoffe Hormone Serotonin, das Bindungshormon Oxytocin und das Glückshormon Endorphin werden hauptsächlich ausgeschüttet – diese nehmen wir körperlich kaum wahr. Dies ist auch der Grund, warum es möglich ist, jemanden zu lieben und gleichzeitig in einen anderen verliebt zu sein.

Lasst die Schmetterlinge wieder fliegen

Sehnsüchtige Leidenschaft ist nie wieder so groß wie in der ersten Phase der Verliebtheit. Kein Wunder, dass sich viele Paare in einer jahrelangen Partnerschaft nach diesem Gefühl zurücksehnen. Die gute Nachricht ist: Man kann die Verliebtheit verlängern oder wiederaufleben lassen – mit ein paar einfachen Tricks:

  • Sich erinnern

Bewusste gemeinsame Erinnerung an die erste Phase der Verliebtheit bringt die Schmetterlinge im Bauch zurück.

  • Überraschungen

Kleine Geschenke oder spontane Einfälle überraschen den Partner und zeigen ihm, dass man sich um ihn bemüht.

  • Körperliche Nähe

Mit der Zeit wird immer weniger vom Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. Um seine Produktion anzuregen, sollte man sich als Paar wieder öfter körperlich näherkommen.

  • Anti-Kritik-Diät

Diese Diät kann Wunder bewirken: 4 Wochen lang darauf verzichten, den Partner zu kritisieren. Sondern sich stattdessen auf seine Stärken konzentrieren.

  • Gemeinsame Aktivitäten

Neue, gemeinsame Aktivitäten, die Beiden Spaß machen, regen Glücksgefühle an und machen die Partnerschaft wieder spannend.