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Helena Weiß

Über Helena Weiß

Helena Weiß ist Personalreferentin und freiberufliche Texterin. Sie war viele Jahre in diversen Werbeagenturen als Werbetexterin tätig, studierte Wirtschaftspsychologie und schreibt gerne über Themen aus dem Bereich Paarpsychologie.

Schmetterlinge im Bauch: Was sie sind und woher sie kommen


Der Frühling kommt: Die Sonne strahlt um die Wette, die bunten Blumen sprießen in den Beeten, die Schmetterlinge flattern als Frühlingsboten durch die Luft. Und manchmal, bei den Frischverliebten, verirren Sie sich auch in die Magengegend.

Den Schmetterlingen auf der Spur

Wer kennt nicht die Redewendung „Schmetterlinge im Bauch“ als Metapher für den Zustand des Verliebt-Seins – wenn wir ein eigenartiges Kribbeln im Magen verspüren, gepaart mit Herzrasen, schweißnassen Händen und allgemeiner Verwirrung.

Den Begriff „Schmetterlinge im Bauch“ prägte die amerikanische Schriftstellerin Florence Converse (1871 – 1967). In ihrem Buch „House of Prayer“ sprach sie als erste von „butterflies in the stomach“, direkt übersetzt als „Schmetterlinge im Magen“. Der Ausdruck erfreute sich sehr schnell großer Beliebtheit und verbreitete sich immer weiter. Bis er schließlich Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland ankam und auch heute noch in unserem Vokabular als feste Redewendung erhalten geblieben ist.

Schmetterlinge im Bauch: Der verrückte Hormon-Cocktail

Die Liebe kommt zwar in der Umgangssprache von Herzen und geht durch den Magen – aber eigentlich entsteht sie im Kopf, denn das Gehirn spielt eine entscheidende Rolle beim Verliebt-Sein. Im Gehirn werden Hormone gebildet – und diese übernehmen bei Verliebten die Regie, und versetzen den gesamten Körper in einen wahren Ausnahmezustand mit zahlreichen typischen Symptomen:

  • Zwanghafte Gedanken und Fixierung auf das Objekt der Begierde
  • Veränderte Wahrnehmung
  • Unkontrollierbares Verlangen
  • Schlaf- und Appetitlosigkeit 
  • Energie-Geladenheit
  • Erhöhte sexuelle Lust
  • Herzrasen, erhöhter Puls, verstärktes Schwitzen

Nicht alle, aber viele dieser Anzeichen muten wie Symptome einer Krankheit an. Und so ist es kein Wunder, dass Verliebte gerne mal als Liebeskranke bezeichnet werden – wie auch Platon seinerzeit schon erkannt hatte: „Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit.“  

Verschiedene Studien belegen, dass bei den Verliebten und Zwangsneurotikern der Serotoninspiegel 40 Prozent unter dem Normalwert liegt – aus biochemischer Sicht sind Verliebte also psychisch krank. Darüber hinaus sind Veränderungen, die im Gehirn bei einer Sucht und bei der Verliebtheit passieren, nahezu identisch.

Aber welche Zutaten mischen bei dem verrückten Hormon-Cocktail der Verliebten mit?

  • Adrenalin und Noradrenalin

Maßgeblich verantwortlich für die Verliebtheit sind die Aufputscher-Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Adrenalin wird in der Nebenniere produziert, Noradrenalin im Nebennierenmark. Zusammen lassen sie unser Herz höherschlagen, bringen die Hände zum Schwitzen. Biologisch gesehen sind dies Symptome wie bei einer Panik-Attacke. Dass wir bei dieser körperlichen Reaktion nicht aus lauter Angst das Weite suchen, ist das Verdienst weiterer Hormone, die nebenbei wirken: Während Adrenalin und Noradrenalin für die Aufregung und Spannung zuständig sind, sorgen Oxytocin, Dopamin und Serotonin für die Entspannung – und dafür, dass wir das Verliebt-Sein als positiven Stress wahrnehmen. Übrigens: Dadurch, dass diese Glückshormone über Blutbahnen in den Bauchraum weitergeleitet werden, fühlt es sich für uns so an, als hätten wir Schmetterlinge im Bauch.

  • Serotonin

Das Glückshormon Serotonin sorgt für gute Laune. Paradoxerweise ist bei Verliebten der Serotonin-Spiegel sehr niedrig, entspricht ungefähr dem von Menschen mit einer Zwangserkrankung. Der Serotonin-Mangel bewirkt, dass die Gedanken nur um den geliebten Menschen kreisen. Gleichzeitig aber sorgt die niedrige Serotoninkonzentration für Niedergeschlagenheit und Traurigkeit – zum Beispiel, wenn der geliebte Mensch nicht in unserer Nähe ist.

  • Dopamin

Bei Verliebten ist die Konzentration des Glücklich-Machers Dopamin im Belohnungszentrum des Vorderhirns sehr hoch. Dieser Neurotransmitter aktiviert das Belohnungssystem, verstärkt die positiven Gefühle und die Euphorie. Er gibt dem Körper vor, glücklich zu sein macht ihn „süchtig“ nach seinem Liebesobjekt. Der Verliebte befindet sich in einem Zustand, der einem Drogenrausch gleicht. Und von dieser Droge kann er nicht genug bekommen.

  • Oxytocin

Oxytocin wird gerne auch als Kuschelhormon bezeichnet. Es wird im Hypothalamus gebildet und wirkt im Gehirn ebenfalls auf das Belohnungssystem. Bei Verliebten wird es verstärkt ausgeschüttet – zum Beispiel bei Berührungen. Das Oxytocin fördert Vertrauen zueinander sowie die emotionale Bindung und sorgt dafür, dass die ausgelösten Gefühle speziell an eine Person gekoppelt werden.

  • Testosteron

In der Anfangszeit einer Beziehung sinkt der Testosteronspiegel bei Männern – sie werden dadurch ausgeglichener. Bei Frauen hingegen steigt er an – und mit ihm auch die sexuelle Lust. Vermutlich gleichen sich in dieser Phase die chemischen Prozesse zwischen den Geschlechtern an, damit Männer und Frauen leichter zusammenfinden.

Der Konflikt zwischen Herz und Verstand

Parallel zu der erhöhten Aktivität im Belohnungssystem beobachteten Wissenschaftler im präfrontalen Kortex bei Verliebten eine niedrigere Aktivität als zu normalen Zeiten. Der präfrontale Kortex ist immer dann beteiligt, wenn es darum geht, etwas sorgfältig zu planen oder abzuwägen. Aufgrund dieser Erkenntnisse scheint es so, dass es schwierig ist, während der Verliebtheitsphase sinnvolle Pläne zu schmieden oder realistische Urteile zu fällen. Verliebte haben Augen nur für den neuen Partner, sehen ihn in den rosigsten Farben – und merken vielleicht gar nicht, dass er vom Charakter her gar nicht passt. Wie sollte dann die Handlungsempfehlung für Verliebte lauten? Im Rausch der ersten Verliebtheit keine wichtigen Entscheidungen treffen, die das Leben verändern könnten: ein Kind zeugen, einen Umzug in eine andere Stadt bzw. Land zu planen oder zu heiraten.

Stattdessen ist etwas Geduld angesagt: Die Aktivität im präfrontalen Kortex wird wieder erhöht, wenn die Verliebtheit länger dauert und etwas abflaut. Erst dann öffnen sich unsere Augen für die Realität, erst dann können wir wieder vernünftig entscheiden, planen und urteilen. Schließlich basieren gute Entscheidungen darauf, dass wir sie mit Herz und Verstand treffen.

So lockt man die Schmetterlinge

Spielt aber die Zeit davor eine wichtige Rolle – bevor die Schmetterlinge im Bauch kommen? Bricht die Verliebtheit einfach wahllos über uns wie ein Hurrikan ein, oder gibt es im Vorfeld doch bestimmte Vorbedingungen, damit sich zwei Menschen ineinander verlieben? Es gibt scheinbar Voraussetzungen, die die Verliebtheit begünstigen:

  • Das äußere Erscheinungsbild

Der Evolutionsbiologe Karl Grammer fand heraus, dass Mann und Frau binnen zehn Sekunden aufgrund von äußerlichen Merkmalen entscheiden, ob der Andere als Partner in Frage kommt. Männer legen Wert verstärkt auf den physischen Bereich, Frauen auf den psychischen Bereich.

  • Gerüche

Man muss sich riechen können – der Eigengeruch des Partners kann anziehend wirken oder eben dazu führen, dass ein anfängliches Abenteuer nur ein Abenteuer bleibt.

  • Bewunderung für die andere Person

Diese kann auf einem einheitlichen Lebensentwurf, Arbeitsamkeit, gut bewältigten Schwierigkeiten, ähnlichen Lebenszielen oder der Fähigkeit, andere zu verstehen, basieren.

  • Biochemie

Nach Helen Fisher, der US-amerikanischen Anthropologin, bestimmt die Biochemie, ob sich zwei Menschen ineinander verlieben. Ihrer Meinung nach ist es zwar wichtig, dass wir bezüglich des sozialen Hintergrunds mit unserem Partner harmonieren. Was aber die hormonelle Persönlichkeit angeht, fühlen wir uns von Menschen angezogen, die ein anderes, uns ergänzendes biochemisches Profil besitzen.

Nach Helen Fisher kann man übrigens auch der Verliebtheit auf die Sprünge helfen. Wer sich verlieben möchte, sollte ganz einfach seine Dopamin-Ausschüttung aktivieren. Denn der Körper befindet sich sowohl bei Verliebtheit als auch in gefährlichen Situationen in einem Erregungszustand – und kann die beiden Zustände nicht gut unterscheiden. So empfiehlt es sich, mit seiner Angebeteten gleich zu Anfang aufregende Dinge zu unternehmen wie zum Beispiel einen Ausflug in den Seilgarten oder einen Fallschirmsprung.

Die nächste Station nach der Verliebtheit: die Liebe

Durch das extreme Spiel der Hormone wäre das Verliebt-Sein auf Dauer für den Körper zu stressig und anstrengend. Deswegen verändert sich mit der Zeit die Beziehung zum Partner, die erste Verliebtheit flacht nach 3 Monaten bis 3 Jahren ab – der Adrenalin- und Noradrenalin-Spiegel regulieren sich wieder im unteren Bereich. Verliebtheit wird abgelöst durch Liebe – laut Wissenschaftlern zwei ziemlich unterschiedliche Gefühlswelten.

Neurologisch und physiologisch betrachtet spielen sich diese beiden Gefühle in vollkommen anderen Hirnregionen ab und sind auch mit ganz verschiedenen Botenstoffen verbunden. Die Verliebtheit ist ein evolutionärer Ausnahmezustand, der mit Sucht und Wahn vergleichbar ist. Es kommt hauptsächlich zu Aktivitäten in der Stammhirnregion: Adrenalin, Dopamin, etc. werden ausgeschüttet. Liebe ist das, was folgt: Nämlich im Großhirn, im Vorderlappen. Die leisen Botenstoffe Hormone Serotonin, das Bindungshormon Oxytocin und das Glückshormon Endorphin werden hauptsächlich ausgeschüttet – diese nehmen wir körperlich kaum wahr. Dies ist auch der Grund, warum es möglich ist, jemanden zu lieben und gleichzeitig in einen anderen verliebt zu sein.

Lasst die Schmetterlinge wieder fliegen

Sehnsüchtige Leidenschaft ist nie wieder so groß wie in der ersten Phase der Verliebtheit. Kein Wunder, dass sich viele Paare in einer jahrelangen Partnerschaft nach diesem Gefühl zurücksehnen. Die gute Nachricht ist: Man kann die Verliebtheit verlängern oder wiederaufleben lassen – mit ein paar einfachen Tricks:

  • Sich erinnern

Bewusste gemeinsame Erinnerung an die erste Phase der Verliebtheit bringt die Schmetterlinge im Bauch zurück.

  • Überraschungen

Kleine Geschenke oder spontane Einfälle überraschen den Partner und zeigen ihm, dass man sich um ihn bemüht.

  • Körperliche Nähe

Mit der Zeit wird immer weniger vom Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. Um seine Produktion anzuregen, sollte man sich als Paar wieder öfter körperlich näherkommen.

  • Anti-Kritik-Diät

Diese Diät kann Wunder bewirken: 4 Wochen lang darauf verzichten, den Partner zu kritisieren. Sondern sich stattdessen auf seine Stärken konzentrieren.

  • Gemeinsame Aktivitäten

Neue, gemeinsame Aktivitäten, die Beiden Spaß machen, regen Glücksgefühle an und machen die Partnerschaft wieder spannend.