Archiv für den Monat: März 2017

Konfliktfähigkeit in der Partnerschaft

KonfliktfähigkeitDie Konfliktfähigkeit  beider Partner ist entscheidend für das Gelingen der Partnerschaft. Probleme und Meinungsverschiedenheiten wird es auf dem gemeinsamen Weg immer wieder einmal geben.

Wird Konflikten aus dem Weg gegangen oder destruktiv gestritten, können Paare in der Trennung die einzige Lösung sehen – dabei stellen Konflikte aber auch stets eine Chance zur Weiterentwicklung der Beziehung dar.

Was bedeutet Konfliktfähigkeit in der Partnerschaft?

Eine Partnerschaft besteht aus zwei eigenen Persönlichkeiten mit individuellen Ansichten, Bedürfnissen und Lebensvorstellungen. Zum Beziehungsalltag gehören deshalb auch Konflikte, denn nicht immer ist man einer Meinung und nicht immer gehen die Wunschvorstellungen  mit denen des Partners Hand in Hand.

Konflikte bieten stets eine Chance zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung, aber auch für die Entwicklung der Partnerschaft. Dafür müssen beide Partner konfliktfähig sein und das bedeutet, konstruktiv zu streiten, miteinander zu reden und nach Lösungsalternativen zu suchen, sodass die Bedürfnisse beider erfüllt werden können.

Konfliktfähigkeit zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Durch Empathie werden Konflikte und unterschwellige Probleme rechtzeitig erkannt
  • Mut, den Konflikt oder die eigene Unzufriedenheit offen anzusprechen, denn dadurch fördert man die Auseinandersetzung mit dem Problem
  • Aktives Zuhören: Die Ansichten des Partners anhören, ohne innerlich schon nach Antworten oder Lösungen zu suchen und ohne im Innern die Sätze für das Aussprechen der eigenen Ansicht zu formulieren
  • Bereitschaft mitbringen, den Standpunkt und die Emotionen des Gegenübers zu verstehen
  • Bewusstsein darüber, dass die Selbstwahrnehmung nicht unbedingt der Fremdwahrnehmung entsprechen muss
  • Konfliktfähigkeit hängt zudem mit dem eigenen Selbstbewusstsein zusammen, denn nur wer sich seiner Bedürfnisse, Persönlichkeit, Stärken und Schwächen bewusst ist, kann erkennen, ob hinter der eigenen Wut, dem Frust oder der Enttäuschung ein ganz anderes Problem steht.
  • Selbstbehauptung ist notwendig, um Konflikte konstruktiv lösen zu können. Wer sich kleiner, weniger wertvoll fühlt, wird sich in der Regel mit destruktiven Mitteln behaupten wollen – wenn auch unbewusst.

Die Kompetenzen für die Konfliktfähigkeit werden in Kindheitstagen erlernt. Dafür ist ein Umfeld wichtig, welches konstruktives Konfliktmanagement vorlebt. Ebenfalls ist es für die spätere Konfliktfähigkeit wesentlich, ob man als eigene Persönlichkeit respektiert wurde. Mussten schon früh eigene Bedürfnisse, Wertvorstellungen und ähnliches unterdrückt werden, kann jede mögliche Meinungsverschiedenheit beängstigend wirken, sodass man konfliktscheu wird  oder sich mit destruktiven Methoden versucht zu behaupten.

Warum ist Konfliktfähigkeit für die Partnerschaft wichtig?

Empathie ist die Voraussetzung zur Lösung von KonfliktenBei der Partnerwahl reizen oftmals nicht nur die Gemeinsamkeiten, sondern ebenso die Gegensätze. Ist man selbst beispielsweise ein eher vorsichtiger, ängstlicher Typ, kann man von dem Mut und der Abenteuerlust des anderen fasziniert sein. Im Laufe der Beziehung können jedoch gerade diese Gegensätze zum Konflikt führen. Auf einmal wird die Unordnung des Partners zum großen Thema, weil man zum Beispiel selbst nur in ordentlicher, aufgeräumter Umgebung entspannen kann. Oder man merkt, dass die anfangs bewunderte Abenteuerlust des Partners das eigene tiefe Bedürfnis nach ruhigem Familienleben weckt und nun als scheinbar unüberwindbares Hindernis zwischen den Parteien steht.

Wer nun konfliktscheu ist und den Gesprächen über ein Problem aus dem Weg geht sorgt  dafür, dass sozusagen aus einer Mücke ein Elefant werden kann. Unterschwellig schwelt die Unzufriedenheit, die bei unpassender Gelegenheit zum Vorschein kommt: Der Partner wird angeschrien oder man lässt auf andere wenig konstruktive Weise Frust ab und seiner Wut freien Lauf – ohne das eigentliche Problem zu benennen.

Die Auseinandersetzung mit den Erwartungen, Wertvorstellungen und Bedürfnissen beider Parteien kann die Beziehung verbessern und die Verbundenheit fördern. Fehlt die Konfliktfähigkeit, verlaufen Streitgespräche häufig vernichtend und verletzend:

Das Vorwurfs-PingPong

Die  meisten Konflikte landen als Vorwurfs-PingPong auf dem Tisch: Es wird sich gegenseitig vorgeworfen, was der andere getan oder unterlassen hat. Auf einen Vorwurf wird mit einem Gegenvorwurf reagiert. Es wird kein Verständnis für den Partner aufgebracht und es werden auch keine Lösungen gesucht. Bei dieser Art von Streitgespräch geht es nur darum dem Partner klar zu machen, dass er Schuld an der Misere hat.

Häufig führen die Erwartungen an den Partner zu Enttäuschung und letztlich zu Wut. Statt die eigenen Bedürfnisse, Vorstellungen und Wünsche auszusprechen geht man davon aus, dass der andere diese Dinge genauso sieht oder empfindet. Werden die Erwartungen nicht erfüllt, wird das Vorwurfs-PingPong begonnen.

Beziehungskonflikte: Geschlechtsunterschiede beim Beziehungskrach

Flexibilität - wichtige Vorsaussetzung im KonfliktmanagementKonfliktfähigkeit zeichnet sich unter anderem dadurch aus, möglichst ruhig und sachlich ein Thema anzusprechen und dem anderen tatsächlich zuzuhören. Bei den meisten Paaren wird jedoch ein Konflikt erst dann angesprochen, wenn er bereits zum großen Problem angeschwollen ist. Dann reicht eine Kleinigkeit aus, um einen Beziehungskrach auszulösen.

Die Unfähigkeit mit Konflikten in der Partnerschaft konstruktiv umzugehen, äußert sich bei Frauen oftmals anders als bei Männern:

  • Viele Frauen lassen ihren Leidensdruck wachsen, indem sie immer wieder ihre eigenen Bedürfnisse und Werte unterdrücken. Auch haben viele Frauen die Erwartung, dass ihr Partner wissen müsse, was sie sich wünscht und was sie zum Glücklichsein braucht. Da sie nicht aussprechen, was sie bedrückt, kommt es mehr und mehr zu Missverständnissen. Innerlich wächst die Wut, die dann bei einem nichtigen Anlass lautstark herausgelassen wird.

Häufig haben diese Frauen als Mädchen gelernt: Sei stets artig, bescheiden und zurückhaltend. Erhört wurden sie nur dann, wenn sie lauter wurden – auch wenn dies nicht immer zum gewünschten Ergebnis führte.

  • Männer, die wenig konfliktfähig sind, flüchten vor Beziehungsgesprächen. Sie meiden die Auseinandersetzung mit Problemen in der Partnerschaft und verlassen die Szene und den Raum in der Hoffnung, dass sich bei der Rückkehr schnell wieder versöhnt wird und alles scheinbar wieder in Ordnung ist.
    Viele Männer sind die Lösungsfinder. Spricht sich die Partnerin aus ist er der Meinung, er müsse sofort eine gute Lösung für seine Frau parat halten. Ist er dazu nicht in der Lage, rüttelt dies an seinem Selbstvertrauen und er flüchtet lieber aus der Situation. Ein typisches Missverständnis in sehr vielen Partnerschaften, denn häufig erwartet sie gar keine sofortigen Lösungsvorschläge.

Setzt sich ein Paar nicht mit auftretenden Problemen konstruktiv auseinander, führt dies in den meisten Fällen zur inneren Distanz. Die Verbindung und Verbundenheit des Paares reißt mehr und mehr ein, bis Gefühle wie Enttäuschung, Traurigkeit und Wut die Oberhand übernehmen.

Konfliktfähigkeit kann man lernen

Lösungsstrategien für KonflikteKonfliktfähigkeit ist erlernbar und ist ein wesentliches Merkmal bei den Paaren, die sich auch noch nach vielen Jahren in einer glücklichen Beziehung fühlen. Diese Paare haben gelernt, wie man miteinander reden kann und anschließend gestärkt aus dem Gespräch gehen kann.

Streiten  und über Ängste, Hoffnungen, Erwartungen und Bedürfnisse reden kann man üben und es lässt sich lernen, einen aufkommenden Konflikt im Ansatz zu erkennen und zur Sprache zu bringen.

Da viele Menschen in ihrer Kindheit nicht gelernt haben, wie Konflikte konstruktiv gelöst werden können, empfiehlt sich die Art des  Zwiegespräches, wie von Michael Lukas Moeller entwickelt:

Zwiegespräche führen

Das Gespräch - der erste Schritt zur KonfliktlösungIm Zwiegespräch nach M. Lukas Moeller geht es darum, die Gesprächsbereitschaft und die Kommunikation in der Partnerschaft zu verbessern. Die Paare entwickeln die Fähigkeit des Zuhörens und Einfühlens in den Partner.

Das gegenseitige Vertrauen erhöht  sich im Laufe der Zeit, wenn die Zwiegespräche regelmäßig geführt werden. Die Partner trauen sich mehr und mehr, über ihre Ängste, Erwartungen und Bedürfnisse zu sprechen, weil dieses typische Vorwurfs-PingPong ausbleibt.

Moeller stellte Regeln auf die dafür sorgen, dass sich die Gesprächskultur des Paares verändern und die Konfliktfähigkeit entwickeln kann:

  • Das Paar vereinbart einen festen, wöchentlichen Termin für dieses Zwiegespräch, das mindestens sechzig Minuten und maximal neunzig Minuten dauern soll. Dieser fixe Termin sollte als genauso wichtig angesehen werden, wie andere bedeutsame Termine.
  • Während des Zwiegespräches werden sämtliche möglichen Störquellen ausgeschaltet. D.h., Handys werden stumm oder off gestellt, die Türklingel wird ausgeschaltet und es läuft auch keine Musik im Hintergrund.
  • Da das Paar nicht abgelenkt werden sollte, wird während des Gespräches weder gegessen noch getrunken.
  • Für das Zwiegespräch wird ein Platz gewählt, bei dem sich die Partner gegenüber sitzen können.
  • Nun darf abwechselnd geredet werden, während der andere zuhört. Beim Reden bleibt man bei sich: Die Person erzählt, wie sie sich fühlt, was sie befürchtet, erwartet und wie sie ihren Partner und die Beziehung erlebt. Es werden somit keine Du-Botschaften vermittelt (z.B.: „Du hast xy getan und deshalb fühlte ich mich klein!“, sondern z.B.: „Mein Problem ist es, dass mich manche Aussagen innerlich kränken und ich mich plötzlich klein fühle.“).
  • Vorwürfe, Bewertungen des Partners oder seines Verhaltens und Interpretationen werden ganz bewusst vermieden. Dadurch lernen beide Parteien bei sich zu bleiben und Situationen so zu erzählen, wie sie es erlebt und gefühlt haben.

Wichtig sind vor allem zwei Faktoren: Die Regelmäßigkeit und die Pünktlichkeit.  Muss einmal der Termin für das Zwiegespräch verschoben werden, dann innerhalb der Woche, sodass trotzdem das Wochengespräch stattfinden kann.

Die Dauer des Gespräches hängt mit der Aufnahmefähigkeit und Konzentration  zusammen: Nach 60 bis 90 Minuten lässt beides nach, sodass eine Verlängerung des Gespräches sich eher negativ auf den Verlauf auswirkt.

Regelmäßig bedeutet auch: Pünktlich zum vereinbarten Termin beginnen und das Gespräch pünktlich beenden. Dazu kann ein Wecker eingestellt werden.

Ich und Du: Konfliktfähigkeit bedeutet Eigenverantwortlichkeit

im Dialog bleiben - KonfliktmanagementDie nach Moeller geführten Zwiegespräche fördern die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen. Das Paar lernt, die Andersartigkeit des Partners zu akzeptieren statt zu kritisieren. Mit der Zeit wird deutlich, dass jeder für seine Gefühle und für seine Reaktionen verantwortlich ist.

Da im Zwiegespräch immer einer redet und bei sich bleibt, während der andere zuhört – also nicht bereits den nächsten Vorwurf im Geiste formuliert -, fühlen sich beide Partner im Laufe der Zeit ernster genommen und verlieren die Scheu, über ihre Ängste, ihren Ärger und ihre Bedürfnisse zu sprechen.

Die Zwiegespräche fördern eine vertrauensvolle, ehrliche und respektvolle Kommunikationskultur, die sich wiederum positiv auf die gesamte Beziehung auswirkt. Beide Partner dürfen eine eigene Persönlichkeit bleiben und das Ich und Du werden klarer. Dadurch entsteht ein neues Wir, das durch liebevolle Verbundenheit gekennzeichnet ist.

Zu Beginn wirkt das Zwiegespräch mit seinen Regeln noch befremdlich und oftmals fühlen sich die Paare erst einmal gehemmt. Aufgrund ihrer negativen Erfahrungen mit der Konfliktbewältigung haben die meisten Paare anfangs das Gefühl, sie säßen sich wie beim Verhör gegenüber. Deshalb  lassen viele nach den ersten zwei oder drei Zwiegesprächen die Termine dazu ausfallen und schieben wichtigere Dinge vor.

Die Regelmäßigkeit und die Regeln sind jedoch wichtig, damit sich eine neue, bessere Gesprächskultur entwickeln kann. Damit die Zwiegespräche Früchte tragen können, sollten beide Partner offen über ihre Erwartungen und Befürchtungen bezüglich dieses Gespräches reden. Dadurch zeigt sich meistens, dass der eine nicht alleine mit diesen Ängsten steht und häufig lenkt dieses offene Ansprechen das Zwiegespräch in die richtige Richtung: Vertrauensvoll miteinander reden, den anderen respektieren, bei sich selbst bleiben und Konflikte konstruktiv lösen.

 

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Altersunterschied Mann und Frau

Altersunterschied bei PaarenZu Beginn einer Partnerschaft spielt der Altersunterschied zwischen Mann und Frau oftmals noch keine große Rolle. Frisch Verliebte schweben auf Wolke Sieben und in dieser Phase einer Beziehung wird der Fokus auf Positives gelenkt.

Allerdings stößt eine Liebe mit großer Altersdifferenz in der Gesellschaft auf wenig Verständnis, sodass der rosarote Himmel bei diesen Paaren schon am Anfang  düstere Flecken bekommt. Zudem sind Probleme in einer Partnerschaft mit großem Altersabstand in den überwiegenden Fällen vorprogrammiert.

Ab wann spricht man von einem großen Altersunterschied?

Liegen zehn Jahre zwischen beiden Partnern, entspricht die Altersdifferenz schon nicht mehr der Norm. Von einem großen Altersunterschied wird gesprochen, wenn einer der Beiden zwanzig Jahre älter oder jünger ist. Ideal wäre es, wenn höchstens fünf Jahre zwischen Mann und Frau liegen.

Eine Beziehung mit hohem Altersabstand ist nicht grundsätzlich zum Scheitern verurteilt, genauso wenig wie eine Partnerschaft zwischen Gleichaltrigen ein Garant für  eine glückliche und dauerhafte Liebe ist. Dennoch ist das Trennungsrisiko bei Paaren mit großem Altersunterschied höher, denn einige Faktoren werden oftmals im Laufe der Partnerschaft zum Problem.

Studienergebnisse zeigen ein erhöhtes Trennungsrisiko bei großem Altersunterschied

Forscher der University in Atlanta werteten Daten von rund dreitausend Personen aus. Die Wissenschaftler um Randal Olson nahmen eine Analyse der Faktoren vor, die das Trennungsrisiko von Paaren erhöhen.

Es zeigte sich, dass eine große Altersdifferenz auch ein großes Risiko für eine Trennung bedeutet: Bei einem Altersunterschied ab zwanzig Jahren steigt das Trennungsrisiko um mehr als neunzig Prozent. Laut Statistik sind Partnerschaften ab einem Altersabstand von dreißig Jahren so problematisch, dass eine Trennung absehbar ist.

Grundsätzlich – so die Ergebnisse der Studie –  ist das Trennungsrisiko umso höher, je größer der Altersunterschied ist. Allerdings fanden die Wissenschaftler ebenso heraus, dass sich das Risiko minimiert, je länger die Beziehung besteht. Das heißt: Ab einer zweijährigen Partnerschaft sinkt bereits die Wahrscheinlichkeit, dass das Paar getrennte Wege gehen wird. Je länger das Paar in dieser Konstellation lebt, desto stabiler ist die Beziehung – so die Schlussfolgerung der Forscher.

Gemeinsame Interessen in der Beziehung

no generation problemsEine Partnerschaft bleibt lebendig, wenn das Paar gemeinsame Interessen, Hobbys und Lebensziele teilt. Deshalb achtet eine seriöse Partnervermittlung auf möglichst viele Gemeinsamkeiten der Partnersuchenden.

Gemeinsame Interessen und Hobbys sind nicht unbedingt vom Alter abhängig. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Generationen. Zum Beispiel sind Gleichaltrige mit der zu ihrer Generation gehörigen Musik aufgewachsen. In der Regel sieht die Freizeitgestaltung einer 20-jährigen Person anders aus, als die eines 40-jährigen oder älteren Menschen. Auch die Vorstellung eines Urlaubs verändert sich mit dem Alter: Möchte ein jüngerer Mensch noch möglichst aktiv sein und in seiner Freizeit oder im Urlaub Erlebnisse sammeln, hat eine ältere Person all dies schon hinter sich und stellt sich eher eine entspannte und bequemere Zeit vor.

Hinzu kommt der Freundeskreis, der sich häufig distanziert, wenn der Partner einer viel älteren oder jüngeren Generation angehört. Die kulturellen Interessensunterschiede machen sich bei Treffen bemerkbar und letztlich ist es nicht selten, dass sich einer der Beiden für die Freunde des anderen und gegen seine eigenen entscheiden muss. Auch das wird auf Dauer zwischen dem Paar als schier unlösbares Problem stehen.

Befindet sich ein Partner noch in der Ausbildung, während der andere bereits voll im Berufsleben steht, wird auch der finanzielle Aspekt früher oder später zu Streitpunkten führen. Auf der anderen Seite spielt das Bedürfnis nach Absicherung bei manchen Frauen eine Rolle, die sich an einen wesentlich älteren Partner binden.

Unterschiedliches Alter – verschiedene Lebensziele

unterschiedliches Alter in einer BeziehungAuch die Lebensziele können zum Stolperstein in der Beziehung werden. Bei Partnerschaften mit großem Altersunterschied ist dies häufig ein unüberwindbares Hindernis. Ein junger Mensch strebt meistens nach beruflichem Erfolg und die Karriere steht zunächst im Mittelpunkt des Lebens. Außerdem besteht in jungem Alter oftmals der Wunsch nach einem Eigenheim.

In der Regel sind diese Bedürfnisse einem Menschen ab 40 nicht mehr so wichtig. Der ältere Partner wird eventuell ihm oder ihr zuliebe einige Wege beschreiten, die er von sich aus nicht mehr als erstrebenswert empfindet. Doch innerlich wächst die Sehnsucht nach den eigenen Lebenszielen, die sich immens vom jüngeren Partner unterscheiden können.

Grundsätzlich ist es für eine Partnerschaft schier tödlich, wenn sich einer von Beiden verstellen muss; wenn einer seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu oft verdrängen muss. Bei einer Partnerschaft mit großem Altersabstand sind solche Probleme schon fast vorprogrammiert. Ist der 40-jährige Mann zunächst für seine 20-jährige Partnerin noch interessant, kann das zehn oder zwanzig Jahre weiter ganz anders aussehen. Dann ist die Frau im „besten“ Alter und nicht selten möchten Frauen in den 40-ern noch einmal richtig loslegen und ihre bisher unerfüllten Lebensträume Realität werden lassen. Er befindet sich dann schon kurz vor dem Rentenalter und wird wahrscheinlich von einem ruhigen „Lebensabend“ geträumt haben.

Auch wenn das Thema Tod in unserer Gesellschaft gerne unausgesprochen bleibt, muss sich ein Paar mit großem Altersunterschied damit befassen. Bei zwanzig Jahren Altersdifferenz wird irgendwann der eine Part 50 Jahre und der andere 70 Jahre alt sein. Aufgrund der Lebenserwartung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die jüngere Partnerin / der jüngere Partner früh Witwe(-r) wird.

Familienplanung als Hindernis

Pärchen plant FamilieZu den Lebenszielen gehört ebenfalls die Familienplanung und hier wird es kritisch, wenn der Altersunterschied zu groß ist. Ganz schwierig wird es, wenn die Frau älter als der Mann ist und er gerne eine Familie gründen möchte. Schon alleine vom biologischen Standpunkt aus gesehen tickt die Uhr der Frau und je älter sie ist, umso höher ist das Gesundheitsrisiko einer Schwangerschaft. Ebenso problematisch wird es, wenn die fast 40-jährige Frau ihren Kinderwunsch erfüllen möchte und ihr viel jüngerer Partner dazu noch gar nicht bereit ist.

Umgekehrt könnte man aufgrund der prominenten Beispiele annehmen, dass eine späte Vaterschaft Glück beschere. Für manche Männer ist es tatsächlich von Vorteil erst dann mit der Familienplanung anzufangen, wenn die berufliche Karriere auf festen Füßen steht und mehr Zeit und Muße für den Nachwuchs zur Verfügung stehen. Männer, die bereits Väter sind und nun mit einer jüngeren Frau eine Beziehung eingingen, distanzieren sich meistens, wenn die junge Partnerin das Thema Familienplanung anspricht. Bei vielen Paaren mit großem Altersunterschied ist dies der Wendepunkt der Partnerschaft, welcher das Ende der Beziehung absehen lässt.

Das Thema Familienplanung sollte so früh wie möglich angesprochen werden, damit sich beide darüber klar werden können, ob solche wichtigen Lebensziele gemeinsam angestrebt werden.

Vaterkomplex oder Mutterersatz?

Unbewusst wählen Frauen häufig einen Partner aus, der dem Vater ähnlich ist oder der den in Kinderzeit nicht verfügbaren Vater ersetzen soll. War die Vater-Tochter-Beziehung schwierig, werden diese Probleme oftmals auf den Sugardaddy projiziert. Im Laufe der Partnerschaft wird also aus dem Wunsch-Papa, der eine gewisse Reife mit sich bringt und die Beschützerrolle übernommen hat, der Vater, der seiner Tochter nie genug Anerkennung oder Aufmerksamkeit geschenkt hat. Was in der Kindheit der jungen Frau zwischen ihr und ihrem Vater verpasst wurde, soll nun vom älteren Partner bereinigt werden. Dieser Rolle kann auf Dauer niemand gerecht werden, zumal die eigene Persönlichkeit des älteren Partners nicht zur Geltung kommen darf.

Während sich Frauen mit einem Vaterkomplex wesentlich ältere Partner aussuchen, wählen Männer mit einem Mutterkomplex häufig jüngere Frauen. Der Grund für dieses Paradox: Eine junge Frau lässt sich leichter in die konservative Rolle einer Ehefrau führen, als eine ältere Frau, die einen Partner auf Augenhöhe sucht und eine moderne, gleichberechtigte Partnerschaft anstrebt. Ein Mann mit Mutterkomplex möchte keine partnerschaftliche Beziehung eingehen. Er möchte eine Partnerin, die das traditionelle Rollenbild einer Ehefrau übernimmt: Den Mann bekochen, umsorgen und ihm ein möglichst bequemes Zuhause bieten. Da dieses Frauenbild in anderen Ländern eher vorzufinden ist, gehen einige Männer auf (unbewusste) Mutterersatzsuche in die Ferne, um sich dort eine viel jüngere Frau zu suchen.

Oft wird vom Umfeld ein Mutter- oder Vaterkomplex angenommen, wenn sich ein Paar mit hoher Altersdifferenz bildet. Studien zufolge sind Konstellationen mit diesem Hintergrund aber eher die Ausnahme.

Gesellschaftliche Normen und Rollenbilder

Rollenbilder und unausgesprochene Normen sind die Faktoren, die bei Paaren mit großem Altersunterschied zu Stress und innerem Druck führen und zwar von Anfang an. Beziehungen mit hoher Altersdifferenz sind gesellschaftlich immer noch ein Tabu – auch wenn die Promi-Welt anderes vorlebt. Das Paar hat von Beginn ihrer Partnerschaft an mit Gerede, Vorurteilen und Vorwürfen zu kämpfen, da es die anerkannten Rollenbilder nicht erfüllt.

Doch auch bei diesem Thema werden Unterschiede gemacht, denn ein Mann mit jüngerer Frau wird eher akzeptiert, als eine Frau mit jüngerem Partner. Trotzdem müssen sich beide Konstellationen mit dem Unverständnis und dem Tratsch des Umfeldes auseinandersetzen. Besonders schwierig ist dies, weil meistens auch Freunde und Familie wenig Akzeptanz für eine Partnerschaft mit hohem Altersabstand aufbringen können. Gehören Kinder zur Beziehung, müssen sie nicht selten in Kindergarten oder Schule Spott ertragen, wenn der wesentlich ältere oder viel jüngere Partner der Mutter auf Sprechtagen oder Festen erscheint.

Diesem gesellschaftlichen Druck können nur wenige Paare standhalten. Es gehört viel innere Stärke und Selbstbewusstsein dazu, um die von außen kommenden Probleme nicht  in das Beziehungsleben hineinzulassen. Die Beeinflussung durch das Umfeld wird mitunter so sehr verinnerlicht, dass ein weiterer Stressfaktor entsteht: Die Verlustangst des älteren Partners.

Stress bei großem Altersunterschied durch Verlustangst

Stress entsteht beim wesentlich älteren Partner auch aufgrund von Verlustangst. Besonders ältere Frauen hadern mit ihrem Aussehen und fürchten, dass sie für ihren jüngeren Partner immer weniger attraktiv sein könnten. Dieser Druck wird durch eine Gesellschaft gefördert, die ein jugendliches Erscheinungsbild und anhaltende Vitalität und Sportlichkeit als hohe Werte ansieht.

Menschen mit Verlustangst neigen zur Kontrollsucht und Eifersucht. Werden sich diese Denk- und Verhaltensweisen nicht bewusst gemacht, sorgt man ungewollt für eine selbsterfüllende Prophezeiung und verliert den Partner.

Kann eine  Partnerschaft mit großer Altersdifferenz überhaupt funktionieren?

Bei all den genannten Faktoren, die häufig zur Trennung eines Paares mit großem Altersunterschied führen, gilt immer noch die Ausnahme der Regel. Es gibt viele Paare, die trotz hohen Altersabstands eine glückliche und dauerhafte Beziehung führen. Warum diese Partnerschaften funktionieren, hängt nicht vom Altersunterschied ab, sondern von Kriterien, die für jede Beziehung gelten:

  • Die zwei Menschen verbindet wahre Liebe und gegenseitigen Respekt
  • Die Beziehung bleibt durch gemeinsame Interessen, Hobbys etc. lebendig und spannend
  • Die wesentlichen Lebensziele stimmen überein
  • Die beiden Menschen sind in der Lage, den Vorurteilen und Spott der Umwelt mit Gelassenheit und Selbstbewusstsein entgegen zu treten